Fußball

Helden im Schaufenster

Chelsea und Arsenal buhlen um Khedira, auch Kroos und Kramer stehen vor einem Wechsel

Gestern Luis Suarez, heute James Rodriguez, morgen Toni Kroos. Kaum ist die WM in Brasilien abgepfiffen, wechseln die großen Stars des Weltturniers den Verein. Für Wahnsinnssummen: Der FC Barcelona lässt sich die Dienste des nicht gerade unumstrittenen Stürmers Suarez schlappe 80 Millionen Euro kosten. Für den gleichen Betrag wechselt der Kolumbianer Rodriguez zu Real Madrid. Dort zieht es wohl auch Kroos hin.

Auf dem Markt für Fußballer geht es derzeit zu wie beim Auktionshaus Christie’s: die begehrten Objekte kommen quasi im Stundenakt unter den Hammer. Deutsche Fußballer sind bei selbstgefälligen Vereinspatriarchen und prassfreudigen Oligarchen so beliebt wie die Gemälde der Leipziger Schule bei echten Sammlern. Wer stellt sich nicht gern einen Weltmeister ins Schaufenster?

Kroos’ überragender WM-Auftritt hat Real-Präsident Florentino Perez offenbar so entzückt, dass er gleich mal seinen Geldspeicher öffnete und den Bayern ein Angebot machte, dass die nicht ablehnen konnten. Und weil der notorische Kicker-Großhändler aus Madrid in seinen Büchern auch irgendwas auf der Haben-Seite verbuchen muss, wird er Sami Khedira wohl an Arsenal London abtreten. Khedira, obwohl gerade erst von einem Kreuzbandriss genesen, soll den „Gunners“ 25 Millionen wert sein.

Laut dem Sportblatt „Marca“ hat sich Real bereits mit den Londonern auf einen Transfer geeinigt. Er soll bei Arsenal, wo unter anderem die Weltmeister Per Mertesacker, Mesut Özil und Lukas Podolski unter Vertrag stehen, angeblich für vier Jahre unterschreiben. Allerdings fehle noch die Zustimmung des Spielers. In England wird spekuliert, dass die Gehaltsforderungen des 27-Jährigen auf gewisse Vorbehalte stoßen. Von sieben Millionen Euro netto ist die Rede.

Die Zustimmung Khediras will allerdings dessen Ex-Trainer bei Real, Jose Mourinho, verhindern. Wie die spanische Zeitung „ABC“ berichtet, hat sich der Portugiese in den Poker eingeschaltet. Demnach plant er ein Gespräch, um den Mittelfeld-Star zu überzeugen, zum FC Chelsea zu wechseln. Zudem soll Mourinho Klub-Boss Roman Abramowtisch bereits gebeten haben, Real Madrid ein Angebot für Khedira zu unterbreiten.

Ums Gehalt ging es auch bei Kroos, die Bayern hatten ihm im Frühjahr ein laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge „faires Angebot“ unterbreitet, das dieser jedoch ausschlug. Beim Empfang der Münchner Weltmeister bestätigte Rummenigge am Dienstag nicht nur Verhandlungen mit dem spanischen Rekordmeister, nachdem mit Kroos keine Vertragsverlängerung über 2015 hinaus zustande gekommen war. Er stellte auch klar, „dass wir den Spieler im nächsten Jahr nicht ablösefrei verlieren wollten“. 25 Millionen Euro sind nun im Gespräch. „Diese finanzielle Sorgfaltspflicht haben wir auch für den Klub und diesen Luxus wollen wir uns auch nicht erlauben“, betonte Rummenigge. Wegen Kroos’ Abgang will man an der Säbener Straße nicht in Aktionismus verfallen. „Wir kaufen nicht um des Kaufens Willen“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer.

Die Bekanntgabe des Wechsels scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. „Morgen oder übermorgen werde ich nach Madrid fahren können“, wurde der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler am Mittwoch vom Sportblatt „AS“ zitiert. Ein Reporter hatte Kroos nach der Rückkehr von der WM vor dessen Ferienhaus auf Mallorca aufgesucht und mit dem sich anbahnenden Wechsel vom deutschen zum spanischen Rekordmeister konfrontiert.

Und was ist mit dem Rest des DFB-Teams. Droht den Bundesliga-Vereinen etwa der Ausverkauf? Da ist zum Beispiel der Mönchengladbacher Christoph Kramer. Zwar wurde er bei der WM nur zweimal eingewechselt, dennoch interessiert sich der SSC Neapel brennend für den defensiven Mittelfeldspieler. Acht Millionen Euro Ablöse stehen im Raum. Allerdings spielt der 23-Jährige nur als Leihgabe bei den Borussen, er gehört Bayer Leverkusen – und der Champions-League-Aspirant plant für die Zukunft fest mit Kramer.

Der Wechsel von Weltmeister Matthias Ginter vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund steht dagegen kurz vor dem Abschluss. Das Engagement des 20 Jahre alten Innenverteidigers soll dem deutschen Vizemeister rund zehn Millionen Euro wert sein.

Dann ist da der Fall Marco Reus. Laut englischen Medien soll der FC Liverpool starkes Interesse am Dortmunder haben. Wie stark, dass zeigt die mögliche Ablösesumme von 55 Millionen Euro. Der englische Vizemeister muss den Abgang seines Top-Torjägers Suarez kompensieren und will diese Aufgabe auf mehrere Schultern verteilen. Lazar Markovic haben die „Reds“ schon von Benfica Lissabon verpflichtet. Reus soll der nächste sein. Es wäre der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte. Die Millionen sitzen locker. Arsenal hat sich Alexis Sanchez 38 Millionen kosten lassen, neben Khedira könnte noch der Franzose Mathieu Debuchy für 14 Millionen kommen. So antwortet die Premier League auf die Demütigungen im internationalen Wettbewerb.