Irritation

Gaucho-Tanz sorgt für Diskussionen

Argentinier ärgern sich über Partygag der Weltmeister beim Empfang auf Berlins Fanmeile

Der Gaucho-Tanz der deutschen Fußball-Weltmeister beim Empfang am Brandenburger Tor erregt weiter die Gemüter im Netz. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bedauerte in einer Mitteilung die entstandenen Irritationen um die Tanz-Einlage. „Ich weiß von Oliver Bierhoff, dass die Idee der Spieler spontan aus der Emotion und Freude heraus entstanden ist“, teilte Niersbach mit. „Sie sind alle absolut anständige und faire Sportsleute, die sich über niemanden lustig machen, sondern einfach nur ausgelassen mit den Fans feiern wollten. Es tut uns leid, wenn dies bei einigen falsch und missverständlich rüber gekommen ist.“

Unter dem Hashtag „#gauchogate“ verteidigten viele Twitter-Nutzer die Tanzeinlage und regten sich ihrerseits über die öffentliche Entrüstung auf. Mehrere deutsche Medien kritisierten den Scherz der sechs Nationalspieler. Bei der Feier auf der Berliner Fanmeile machten sich Miroslav Klose, Andre Schürrle, Shkodran Mustafi, Mario Götze, Roman Weidenfeller und Toni Kroos über den Finalgegner lustig. Sie liefen tief gebückt auf die Bühne und sangen in Anspielung auf die Argentinier: „So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so.“ Daraufhin richteten sie sich auf: „So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so.“ Die deutsche Elf hatte Argentinien im WM-Finale mit 1:0 nach Verlängerung bezwungen.

DFB-Chef Niersbach erklärte, er wolle dem Präsidenten des argentinischen Fußballverbandes, Julio Grondona, in einem Brief deutlich machen, dass „die Aktion in keinster Weise despektierlich gemeint war. Wir haben größten Respekt vor Argentinien, beste Beziehungen zum dortigen Verband und freuen uns auf das baldige Wiedersehen beim Länderspiel in Düsseldorf.“

Der in Argentinien bekannte uruguayische Sportjournalist Victor Hugo Morales bezeichnete die deutschen Gaucho-Tänzer in seiner Sendung beim Radiosender Continental de Buenos Aires in ihrem Verhalten und ihrer Denkweise als „ekelhafte Nazis“. Er ist für seine pointierten politischen Kommentare bekannt. Er hatte während der WM gemeinsam mit Fußball-Idol Diego Maradona eine Sendung im venezolanischen Fernsehen moderiert. Die argentinische Sportzeitung „Ole“ kritisierte die Szene als „polemisch“. In den meisten argentinischen Medien wurde das Thema allerdings nicht weiter hochgespielt. Der englische „Mirror“ lobte die deutsche Siegesfeier sogar als „anarchisch, chaotisch and fast surreal“. „Ich weiß nicht, warum die Jungs das gemacht haben. Die Aktion war unnötig“, sagte der ehemalige argentinische Bundesliga-Profi Rodolfo Esteban Cardoso bei Sport1. „Ich glaube aber nicht, dass sie uns bösartig verarschen wollten.“

„Armes Presse-Deutschland .... Wie kann man selbst den größten Erfolg kaputt machen wollen?“, fragte der ehemalige Weitsprung-Europameister Sebastian Bayer auf Twitter. „Wahrscheinlich wäre ein anderes Lied besser gewesen, aber die Vorwürfe von Rassismus und deutscher Überheblichkeit finde ich übertrieben“, meinte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend. Klare Worte fand Nationalspieler Lukas Podolski bei einer Feier in Köln: „Es gibt immer Leute, die was zu meckern haben“.