Meine WM

In den USA habe ich meinen Ein-Auto-Korso gemacht

Stefan Ustorf, Sportdirektor der Eisbären, zeigt auch im Ausland immer schön Flagge

Für mich ging es in letzter Zeit hin und her zwischen den USA, wo ich lebe, und Deutschland. Hier war ich in Füssen zur Trainerausbildung. Mit dabei hatte ich das Deutschland-Trikot, das mir meine Familie gerade zum Vatertag geschenkt hatte. Der wird in den USA am dritten Sonntag im Juni gefeiert, was mitten in die WM fiel.

In Füssen sind wir mit der ganzen Truppe, dabei war auch mein alter Eisbären-Weggefährte Rob Leask, im Biergarten gewesen und haben uns Spiele angeschaut. Das war weniger beschwerlich als später zu Hause in Cincinnati. Da musste ich mich vor der Partie gegen Brasilien einem kleinen Eingriff am Kiefer unterziehen. Das tat dann beim Schreien während der ganzen Tore etwas weh. Aber zum Glück ist keine Naht wieder aufgegangen. Es war eine bewegende Partie.

Ich kann mich aber auch an ein Spiel von früher genau erinnern, das Halbfinale von 1982 gegen Frankreich. Obwohl ich da erst acht Jahre alt war. Aber bei uns in Kaufbeuren hat dieser Sieg eine einstündige Spontanparty auf der größten Kreuzung im Ort ausgelöst. Das hatte es vorher nie gegeben. In den USA habe ich dafür schon mal meinen eigenen Ein-Auto-Korso veranstaltet. In meiner Nachbarschaft wissen alle, dass ich Deutscher bin, und vor dem Viertelfinale gegen die USA 2002 hieß es von den Nachbarn, dass jetzt ihre Zeit kommen werde. Da musste ich natürlich Flagge zeigen, ich bin schön durch die Gegend gefahren und hielt die deutsche Fahne aus dem Fenster.

Diesmal war ich beim Spiel gegen die Amerikaner in Deutschland. Obwohl ich gern mit meinem Sohn geschaut hätte. Er ist schon Deutschland-Fan, aber wie es beim USA-Spiel genau gewesen wäre mit seiner Zuneigung, hätte mich interessiert. Bei meiner Tochter muss ich mir diese Frage nicht stellen, sie ist immer auf der richtigen Seite – auf der von Papa.