Kreuzfahrtschiff

Spiel, Spaß und Trümmer

Vor der letzten Phase der Bergung der „Costa Concordia“ stellt die Reederei ihren neuen Luxuskreuzer vor: „Costa Diadema“

Als im Januar 2012 die „Costa Concordia“ vor der italienischen Mittelmeerinsel Giglio gegen einen Felsen rammt, sterben 32 Menschen. Zweieinhalb Jahre nach dem tragischen Unglück geht die beispiellose Bergung des Kreuzfahrtschiffes nun in ihre entscheidende Phase. Der nach seinem Kentern wieder aufgerichtete Stahlgigant soll an diesem Montag für seine letzte Reise um mehrere Meter angehoben werden. Glückt das Unternehmen, wird das Schiff zur Verschrottung nach Genua geschleppt. Mindestens 1,5 Milliarden Euro muss die Kreuzfahrtreederei Costa Crociere nach eigenen Angaben für die Bergung und Entsorgung der Trümmer zahlen.

Nach dem Unglück der „Costa Concordia“ habe die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel gestanden, erläuterte Costa-Crociere-Vorstand Michael Thamm der „Bild am Sonntag“. Jetzt ist Optimismus angesagt. Und so stellt die Reederei nun ihr neues Flaggschiff vor: die „Costa Diadema“. Sie wird am 1. November zu ihrer Jungfernfahrt von Triest nach Genua aufbrechen. Der Neubau soll die Costa-Familie schmücken: Sie soll das größte Kreuzfahrtschiff der italienischen Reederei werden. Auf der Liste der größten Kreuzer der Welt teilt sie sich mit drei beinahe baugleichen Typen der sogenannten Dream-Klasse den 10. Platz, berichtet travelbook.de. Knapp 5000 Passagiere können auf dem rund 300 Meter langen Ozeanriesen mitreisen.

Schiffbauer Fincantieri fertigt die „Costa Diadema“ – dasselbe Unternehmen, das 2006 auch die „Costa Concordia“ vom Stapel gelassen hatte. Man möchte ein Zeichen setzen, heißt es vom Schifffahrtsunternehmen. Bereits zehn Schiffe hat Italiens größte Werft seit dem Jahr 2000 mit einem Gesamtwert von rund fünf Milliarden Euro für den Konzern gebaut. Mit der „Diadema“ werden 15 Schiffe zur Flotte des Unternehmens gehören, das seit mehr als 65 Jahren auf den Weltmeeren unterwegs ist – mit jährlich 1,6 Millionen Passagieren.

Dabei reicht es schon seit Jahren nicht mehr aus, einen Kreuzfahrtdampfer einzig mit Kabinen und Restaurants auszustatten. Riesenrutschen, Hochseilgärten und Konzertsäle gehören zu den Angeboten, mit denen Reedereien sich gegenseitig überbieten. Die 306 Meter lange und 37 Meter breite „Diadema“ bietet 1862 Gästekabinen. Mehr als 1250 Crew-Mitglieder finden an Bord Platz. Es wird sieben Restaurants geben. Hinzu kommen 15 Bars, drei Pools, ein 4-D-Kino, eine 500 Meter lange Freiluftpromenade und ein Spa mit Hamam, das über drei Decks reicht. Investitionsvolumen: rund 550 Millionen Euro. Nach der Jungfernfahrt – ab dem 29. November – wird das Passagierschiff als „La Regina Del Mediterraneo“ siebentägige Mittelmeerkreuzfahrten anbieten.

Sorge um Umweltbelastung

Zunächst steht allerdings die Bergung der „Costa Concordia“ an. Der Leiter des Unterfangens, der Südafrikaner Nick Sloane, beschreibt die Anhebung als „kritischsten“ Moment des Projekts. „Ein so großes Passagierschiff wieder schwimmfähig zu machen, wurde noch nie zuvor versucht“, sagt der 53-Jährige. Nachdem das Schiff im vergangenen Herbst aus seiner Seitenlage wieder aufgerichtet wurde, soll nun der Rumpf aus einer Wassertiefe von 30 Metern um zwölf Meter angehoben werden. „Das schlimmste Szenario wäre, wenn das Schiff auseinander bricht oder kippt“, sagt Greenpeace-Expertin Giorgia Monti. Sie und andere Beobachter der Umweltschutzorganisation wollen die Anhebung und die letzte Fahrt des Schiffes begleiten.

Im Falle eines Scheiterns wären die Folgen für das Meeresschutzgebiet rund um Giglio fatal. Das Schiff ist geflutet mit mehr als 250.000 Kubikmetern verschmutztem Wasser. Geschätzte 100 Tonnen Treibstoff sind noch immer an Bord. Selbst im Erfolgsfall wird während der mehr als 200 Kilometer langen Fahrt zum Hafen von Genua Dreck ins Meer gelangen. Die Reederei Costa Crociere beteuert, die zu erwartende Umweltbelastung entspreche der eines jeden anderen Schiffes, das die viel befahrene Region passiert. Während der vier bis fünf Tage dauernden Fahrt Richtung Norden, vorbei an den Inseln Korsika und Elba, wird zur Sicherheit der Luftraum gesperrt und der Schiffsverkehr eingeschränkt. Eine Vorhut soll zudem nach Walen und Delfinen Ausschau halten und diese gegebenenfalls von der Route der „Costa Concordia“ vertreiben.