WM-Kolumne

Messi allein reicht nicht

Fabian Lustenberger über das WM-Finale

Deutschland gegen Argentinien, ich freue mich auf das WM-Finale. Ein Klassiker des Weltfußballs. Natürlich hat Argentinien mit Lionel Messi einen überragenden Spieler. Trotzdem glaube ich, dass dieser Gegner der deutschen Mannschaft mehr liegt. Gegen die Niederlande wäre es schwerer geworden, die sind schwieriger zu spielen.

Argentinien hat einen erheblichen Druck aus der Heimat, die sollen unbedingt den dritten WM-Titel holen. Aber das Finale wird im Land von Erzrivale Brasilien gespielt. Schon klar, Argentinien kann sehr stark defensiv spielen. Ich denke auch, dass der eine Tag längerer Erholungspause, den Deutschland hat, nicht so schwer ins Gewicht fallen wird. Ein WM-Finale ist keine Belastung. Da werden die Argentinier noch mal alles raushauen, was sie an Kraft haben.

Ich bin dennoch zuversichtlich für Deutschland. Keine Mannschaft bei dieser WM hat so viele Kreativspieler wie die Deutschen. Es ist für Argentinien nicht damit getan wie im Halbfinale, als es darum ging, Arjen Robben aus dem Spiel zu nehmen. Bei Deutschland hat Bastian Schweinsteiger Ideen, Sami Khedira, Toni Kroos, Mesut Özil oder Mario Götze. Weiter ist kein Kader so ausbalanciert wie der deutsche. Ob in der Defensive oder der Offensive, für jeden Spielstand hat Bundestrainer Joachim Löw starke Alternativen auf der Bank.

Es ist doch ein Wahnsinn. André Schürrle wird gegen Brasilien eingewechselt – und erzielt im WM-Halbfinale mal eben zwei Tore. Und ich habe noch nicht mal meinen Spieler der WM erwähnt: Thomas Müller. Der erzielt, wie gegen Portugal, wie gegen die USA auch gegen Brasilien das wichtige Führungstor. Ist bei jedem Spiel 90 Minuten unterwegs, unglaublich, was der ackert. Toll.

Noch zwei Gedanken zu den Halbfinals: Ich habe das 7:1 mit Freunden geschaut und mich sehr gefreut über die ersten drei Tore. Aber dann wurde mir das unheimlich, es war schwer zu glauben. Auch wenn sich Manuel Neuer am Ende geärgert hat, ich war froh, dass Brasilien wenigstens ein Tor geschossen hat.

Beim zweiten Halbfinale, sorry, das muss ich jetzt zugeben, bin ich nach 90 Minuten ins Bett gegangen. Bei Niederlande gegen Argentinien hatten beide Mannschaft großen Respekt voreinander, keiner wollte einen Fehler machen. Aber so ein taktisches Spiel wird sich nicht im Finale nicht wiederholen. Die Deutschen, vor allem die Bayern-Spieler, haben Erfahrung mit Gegnern, die sich hinten reinstellen und versuchen die Räume eng zu machen. Ich bin sehr zuversichtlich – und parteiisch. Auch wenn ich Schweizer bin, ein bisschen bin ich ein Kind der Bundesliga. Ich habe jeden Samstag Bundesliga geschaut – ich drücke den Deutschen die Daumen.

Fabian Lustenberger, Kapitän von Hertha BSC und Schweizer Nationalspieler, schreibt für die Morgenpost über die WM in Brasilien.