Ermittlungen

Topmanager eines Fifa-Partners festgenommen

Der Brite Whelan ist in den Karten-Skandal verwickelt

Vor dem Copacabana Palace herrschte eine merkwürdige Stimmung. Mitten in den nahenden Sonnenuntergang hinein zogen vom Atlantik Nebelschwaden über die berühmteste Strandmeile Rio de Janeiros. Die Luft war stickig. In dem Nobelhotel begann sich hingegen genau zu dieser Zeit ein Schleier zu lüften. Mit der Festnahme eines Topmanagers des Fifa-Vertragspartners Match Services kommt Licht ins Dunkel um den groß angelegten Schwarzmarkthandel mit WM-Tickets auch der allerbesten Kategorie.

Keine dem Fußball-Weltverband unbekannten dunklen Mächte haben begehrte Eintrittskarten für das Spektakel am Zuckerhut meistbietend weiterverkauft, sondern mindestens ein honoriges Mitglied der viel beschworenen Fifa-Family mit einer eigenen Suite im WM-Hauptquartier der Spitzenfunktionäre – so lautet der akute Verdacht. Im Blitzlichtgewitter der Fotografen wurde der 64-jährige Brite Raymond Whelan vor dem Luxus-Hotel direkt an der Prachtstraße Avenida Atlantica abgeführt.

Am Dienstagmorgen ordnete eine Richterin Whelans Freilassung an, wie mehrere brasilianische Medien berichteten. Sein Pass sei den Behörden übergeben worden. Whelan ist langjähriger Direktor der Match Services AG, dem Vertragspartner der Fifa für den Ticketvertrieb. Grundlage für die Festnahme ist Artikel 41-G der brasilianischen Fan-Statuten, der die Besorgung, die Abzweigung und den Verkauf von Eintrittskarten für einen höheren Preis als dem aufgedruckten ahndet.

Mehrere Tage hatte die Fifa jeden Verdacht gegen einen eigenen Mitarbeiter abgestritten. Whelan ist auch kein Angestellter des Fußball-Weltverbandes, aber ein Spitzenmann eines ökonomisch enorm wichtigen Partners. Die Verbindungen sind eng zwischen der Match Services AG und Match Hospitality, dem Vertriebspartner für die lukrativen Vip-Pakete. Hier führen familiäre Verbindungen direkt in die Fifa-Spitze. Phillippe Blatter, Neffe von Fifa-Boss Joseph Blatter, ist Geschäftsführer der Infront Sports & Media, einem Anteilseigner an Match Hospitality.

Inhaber von Match Services und Match Hospitality sind die Gebrüder Jaime und Enrique Byrom aus Mexiko, die 2007 mit der Fifa einen Deal über 240 Millionen Dollar zur Vermarktung der WM-Turniere 2010 und 2014 abschlossen hatten. Vor vier Jahren in Südafrika beschwerten sich zahlreiche Hotelbesitzer über die aggressive Strategie und Knebelverträge der Fifa-Partner, die auch den prestigeträchtigen Ryder Cup der Golfer im Portfolio haben. Für die WM vermarktete Match AG mit 445.000 Tickets fast ein Sechstel aller Turnierkarten.

Tickets in Hotel-Suite gefunden

Schon der Vertrag mit einem vorigen Vertriebspartner endete für die Fifa in einem Desaster. Die ISL ging pleite, Schmiergeldzahlungen an Spitzenfunktionäre von über 100 Millionen Euro wurden Jahre später von einem Schweizer Gericht bestätigt. Ex-Fifa-Chef Joao Havelange gab seine Ehrenpräsidentschaft zurück.

Mindestens 82 WM-Karten wurden in der Suite von Whelan bei den jüngsten Ermittlungen beschlagnahmt. Dazu ein Computer, ein Handy und Dokumente, hieß es in einer E-Mail der Policia Civil. Dieses Material werde nun untersucht. Laut des ermittelnden Polizeibeamten Fabio Barucke war Whelan ein Mittelsmann. Er soll der Schieberbande Zugang zu den Tickets verschafft haben.

Whelan sei während der Ermittlungen durch eine gerichtlich genehmigte Abhöraktion ertappt worden. Der Fußball-Weltverband habe am Montag auf Polizeiwunsch eine Liste mit Telefonnummern zur Verfügung gestellt. Die Ermittlungen liefen weiter. Whelan steht im Verdacht, mit dem bereits festgenommenen Algerier Lamine Fofana die WM-Tickets veräußert zu haben. Whelan war schon seit längerem in Brasilien und unter anderem für die Suche und Auswahl von Hotels zuständig, die dann im Rahmen von Ticket-Paketen angeboten wurden.