Meine WM

Für Deutschland lege ich mich auch mal mittags hin

Marcus Groß, Kanu-Weltmeister, über einen Kompromiss im Trainingslager

Es liegt zwar schon ein paar Tage zurück, aber das Spiel der deutschen Mannschaft gegen die USA war wirklich mal etwas anderes für mich. Meine Freundin arbeitet in einer Bank-Filiale am Hermannplatz in Neukölln. Als ich sie vergangenen Donnerstag abholen wollte, wurde es später als sonst. Die Mitarbeiter hatten sich zum gemeinsamen Fußball-Schauen in der Bank verabredet. Nach Dienstschluss wurden die Türen geschlossen, ein großer Fernseher eingeschaltet, und dann ging es los. Einige sind zwar in der Halbzeit gegangen, weil sie nicht so spät zu Hause sein wollten. Aber das war insgesamt ganz schön, obwohl ich fast niemanden kannte. Dafür erzählt meine Freundin dort ab und zu von mir, und als Kanu-Weltmeister durfte ich mich dann ein paar Mal fotografieren lassen von ihren Kollegen.

Bei der Fußball-WM vor vier Jahren konnte ich das entscheidende deutsche Spiel auch aus einer interessanten Perspektive betrachten. Wir waren damals zu unserer EM in Spanien. Als wir dort aus dem Hotel gekommen sind, wurde überall auf das Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien gewartet. Wir haben uns dazugesetzt. Für uns war das nicht so schön, das lag am Ergebnis. Die Spanier sind beim Fußball sehr aufbrausend, alles ging emotional zu. Obwohl wir rausgeflogen sind, empfand ich dieses Gucken aber als lustig.

Das Viertelfinale gegen Algerien am Montag hat mich dafür etwas durcheinander gebracht. Eigentlich bin ich keiner, der sich mittags hinlegt. Ich komme dann nicht mehr so gut in Schwung. Aber weil das Spiel so spät begann und ich es bis zum Ende sehen wollte, ging es diesmal nicht anders. Ich musste am nächsten Tag einen Mittagsschlaf machen. Denn am frühen Morgen startete bei uns im Trainingslager in Kienbaum schon wieder die harte Vorbereitung auf die EM. Deshalb war ich echt kaputt.