Medien-Kritik

Die Besserwisser

Sebastian Arlt über Experten-Meinungen der Ehemaligen

Zugegeben, Mehmet finde ich gut. Wenn der ehemalige Nationalspieler Mehmet Scholl für die ARD WM-Spiele analysiert, habe sogar ich meinen Spaß. Fachlich fundiert, immer auch mit einem Augenzwinkern, mein lieber Scholli ...

Wenn es doch mehr Scholls gäbe unter den ehemaligen Fußballprofis, die sich Experten nennen und die jetzt wieder allgegenwärtig scheinen. Olli Kahn, in Lohn und Brot beim öffentlich-rechtlichen Konkurrenten ZDF, brauche ich gar nicht. Der war mir schon immer suspekt. Obwohl, wie er versuchte, sich in den uruguayischen Beißer Luis Suarez hineinzuversetzen, hatte schon was.

Und die anderen? Warum nur werden jetzt wieder all diese Besserwisser nach oben gespült, die uns die Kicker-Welt erklären, seit sie nicht mehr selbst in kurzen Hosen auf dem Rasen stehen? In diversen TV-Sendern und in Zeitungs-Kolumnen dürfen sie sich verbreiten. Stefan Effenberg erklärt, wie’s Mesut Özil machen muss, Thomas Berthold hat wichtige Tipps für den Bundestrainer parat, Michael Ballack, unser Capitano im Ruhestand, sucht insgesamt nach Lösungen. Na klar, der Loddar ist auch auf Sendung. Rekordnationalspieler Matthäus klärt über Stärken und Schwächen der Franzosen auf. Im Ausland ist es nicht anders, da sind Total-Durchblicker wie beispielsweise Maradona oder Gary Lineker unterwegs.

Mein Experte des Tages ist 82 Jahre alt, heißt Horst Eckel und ist einer der Helden von Bern 1954. Sein Rat vor dem Frankreich-Spiel: „Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und dem Geist von Spiez können wir es schaffen.“