Kommentar

Ein Sieg für die Bundesliga

Raik Hannemann über die verrückte Vorrunde

Erstmals seit der Weltmeisterschaft 1974 fehlen Italien, Spanien und England nach der Gruppenphase. Erstmals schieden mit erstgenannten Ländern auch beide Finalisten des vorangegangenen EM-Turniers in der Vorrunde der folgenden WM aus. Der alte Kontinent schwächelt also fast schon erwartungsgemäß bei einem Turnier in Südamerika, doch so mancher Abgesang kommt jetzt einfach zu früh. Denn noch ist Deutschland im Spiel, und das spielt vielleicht gerade nicht so bezaubernd wie die Niederländer, aber nicht einen Deut weniger dominant als Gastgeber Brasilien – eher im Gegenteil.

Fakt ist, mit dem Sieg gegen die USA lässt sich bei Joachim Löws Mannschaft von einer überzeugenden Vorrunde reden. Und die ist beste Werbung für die Bundesliga, die offenbar nicht zufällig die nach Stadionbesuchen zuschauerstärkste Fußballliga der Welt ist (mit 42.609 Zuschauer pro Spiel). Fast schon unnötig zu erwähnen, dass der FC Bayern München bislang der Klub ist, dessen WM-Teilnehmer die meisten Treffer in Brasilien erzielt haben. Und prima ist auch, dass Löw seinen aufstrebenden Talenten nicht einen Wechsel ins Ausland anraten muss, wie es gerade sein englischer Kollege Roy Hodgson tat.

Deutschlands Fußball träumt zu Recht vom Titelgewinn, einen Imagegewinn wird es fraglos auch ohne ihn erzielen, der Wert für TV-Rechte fürs Ausland sicher steigen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Selbstbewusstsein nicht ausufert. Die Ankündigung, nach einem langen Nein zur Torlinientechnik plötzlich sogar über die Einführung des Videobeweises diskutieren zu wollen, klingt jedenfalls fast schon nach Übermut. Die Fans würden sich nach dieser WM sicher schon über das Freistoßspray freuen.