Netzlese

Eto’o tröstet

Sebastian Fiebrig über die wirklich wichtigen Gefühle

Während der Weltmeisterschaft ist das ganze Netz voll Häme und lustigen Bildern. Wenn Torwart Boubacarr Barry nach dem Tor seines Teams von der Elfenbeinküste im wahrsten Sinne des Wortes Gras frisst, geht das Bild um die Welt. Ebenso wie der Biss von Luis Suarez, vor dem es weder bei Twitter noch bei Facebook ein Entrinnen gibt. Alles ist grell, bunt und laut. Und so soll es auch sein. Denn schließlich ist das Weltturnier ein Unterhaltungsprodukt.

Doch die leisen Momente haben es im Dauergeschnatter sehr schwer, durchzukommen. Die für mich stärkste Szene der WM fand gar nicht auf dem Platz statt. Kameruns Kapitän Samuel Eto’o, 33, ging aus dem Mannschaftshotel zum Bus, der ihn mit seiner Mannschaft zum Flughafen bringen sollte. Das Team ist ausgeschieden. Als der Stürmer aus dem Hotel trat, rief ein kleiner Junge immer wieder: „Eto’o! Eto’o!“ Statt einfach abzuklatschen, stellte der dreimalige Champions-League-Sieger seine Tasche hin und umarmte den Jungen. Fast eine Minute lang. Er, der Superstar vergrub seinen Kopf in der Schulter des vielleicht neunjährigen Kindes. Wer wem Trost spendete, war während dieser rührenden Szene nicht auszumachen. Aber klar ist, dass es die echten Gefühle im Fußball noch gibt. Vielleicht nicht auf dem Platz. Aber das ist egal. Es gibt sie.