Mein Brasilien

Tipps von Mull

Jörn Meyn über gute Ratschläge des Teamarztes

Neulich war ich wieder Fußball spielen – mit den Brasilianern. Der Rede wert war das diesmal aber nicht. Die Hälfte der 25 Burschen hatte einen dicken Kater. Sie hatten zuvor in Porto Seguro São João gefeiert. Die zweitgrößte Party nach dem Karneval in Brasilien. Das Johannesfest ist meist ein großes Gelage. Ich selbst war pflichtbewusst und ging schlafen. Die andere Hälfte der Jungs spielte diesmal so hart, dass ich nur Sicherheitspässe spielte und Zweikämpfen aus dem Weg ging. Vielleicht aber war auch meine Wahrnehmung getrübt. Denn auf dem Weg zum Fußballplatz joggte mir Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt entgegen. Er ist der Teamarzt der deutschen Nationalmannschaft. „Mull“ nennen ihn die Spieler. Er blieb stehen und schaute den verkaterten Dorfkickern zu. Ich ging zu ihm, stellte mich vor und wollte ihm die Hand geben. Er lächelte mich an und schlug mit mir ein, wie mit einem seiner Profis. „Grüße Sie“, sagte er. „Gehen Sie joggen?“ „Nein, ich spiele da drüben mit“, sagte ich und war fasziniert, wie ein Mann mit 71 Jahren noch so jung aussehen kann. „Was? Da passen Sie mir aber auf! Der Platz ist sehr uneben. Da können Sie leicht umknicken. Außerdem sieht das ziemlich hart aus, wie die spielen“, sagte Mull. Einer vom ZDF habe sich neulich die Bänder gerissen. „Den haben wir notdürftig verarztet.“ Ich versprach, auf meine Knochen aufzupassen, und dann kam mir ein selten dämlicher Gedanke: „Wollen Sie nicht vielleicht mitspielen“, fragte ich. „Würde ich sehr gern“, sagte Mull. „Aber wir fliegen gleich nach Recife und da muss ich ja mit.“ Recife. Richtig. Mulls Job ist ja nur im Nebenberuf, leichtsinnigen Journalisten gute Tipps zu geben. Ich winkte ihm nach und fand später: Die Jungs spielen heute viel zu hart.