Fußball

Zum Glück funktioniert Löws Plan B

In der Not vertraut der Bundestrainer wieder seinem Stürmer Klose und rettet so ein 2:2 gegen Ghana

Als sein Werk verrichtet war, wirkte Miroslav Klose noch wie mit Anfang 20. Damals, bei seiner allerersten Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan, hatte sich der Stürmer angewöhnt, seine Tore stets mit einem Salto zu bejubeln. Seitdem sind zwölf Jahre vergangen, und Klose ist mittlerweile 36 und damit ein älterer Herr im Profifußball. Den Salto hatte er aus orthopädischen Gründen zuletzt nicht mehr so oft gezeigt. Aber diesmal musste es sein. Eben war eine Ecke in den Strafraum geflogen, Benedikt Höwedes hatte sie per Kopf verlängert, und Klose drückte den Ball aus zwei Metern zum 2:2 (0:0) über die Linie. Es war ein wichtiges Tor für das deutsche Team im zweiten Gruppenspiel gegen Ghana. Es sorgte dafür, dass eine Niederlage gerade noch einmal abgewendet wurde. Für Klose aber war es auch ein historisches: Mit 15 WM-Toren in vier Weltturnieren ist er mit dem Brasilianer Ronaldo gleichgezogen.

Dank der Treffer von Mario Götze (51. Minute) und Klose (71.) trennte sich die DFB-Auswahl mit einem Remis im 800. Spiel der WM-Geschichte von Ghana, für das Andre Ayew (54.) und Asamoah Gyan (63.) trafen. Mit vier Punkten hat das Team von Trainer Joachim Löw beste Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale. „Wir haben geführt, dann haben wir zwei Tore aus dem Nichts bekommen. Aber die Mannschaft hat Moral bewiesen, dass sie noch einmal zurückgekommen ist“, sagte der Bundestrainer: „Die Spieler sind unheimlich erschöpft. Wir wollten einen offenen Schlagabtausch vermeiden und nach der Führung kompakt stehen.“

Löw vertraute derselben Elf, die fünf Tage zuvor Portugal mit 4:0 geschlagen hatte. Der Einsatz von Mats Hummels war nach seiner Oberschenkelverletzung jedoch nicht zu erwarten. Gegen Ghana lief er dennoch auf und unterstützte Per Mertesacker im Abwehrzentrum bei dessen 100. Länderspiel.

Vor vier Jahren bei der WM in Südafrika hatte es in Johannesburg beim letzten Gruppenspiel lange ein Zitterspiel gegeben, bis Mesut Özil die DFB-Elf mit einem feinen Volleyschuss in den Winkel erlöste. Und auch diesmal erwiesen sich die Westafrikaner als überaus widerspenstiger Gegner. „Wenn man das Spiel über 90 Minuten sieht, war es ein Kampf. Wir haben taktisch nicht abgerufen, was wir wollten. Positiv war, dass wir uns wieder zurückgekämpft haben. Es war unter dem Strich ein verdientes Unentschieden“, sagte Mittefeldspieler Sami Khedira. Eigentlich hätte man meinen können, das Team von Trainer Kwesi Appiah beginne mit Wut, schließlich hatte es das erste Gruppenspiel gegen die USA verloren und angekündigt, man werde „bis aufs Blut“ gegen die Deutschen kämpfen. Ghana verlegte sich vor 59.621 Zuschauern im Estádio Castelão zunächst auf das Konterspiel. Und hatte durch Gyan (7.) , Christian Atsu (13.) und Sulley Muntari (33.) auch gute Möglichkeiten.

Im deutschen Spiel dagegen fehlte die Bewegung. Kaum einmal rotierte das Angriffstrio bestehend aus Özil, Mario Götze und Thomas Müller so effektiv wie gegen Portugal. Und wenn sich plötzlich doch einmal etwas Raum auftat, dann kamen Müller (21.) oder Özil zu spät.

Jerome Boateng musste zur Halbzeit mit Oberschenkelproblemen in der Kabine bleiben. Ihn ersetzte Shkodran Mustafi, der schon gegen Portugal ins Spiel gekommen war. Das große Duell Boatengs gegen seinen zwei Jahre älteren Halbbruder Kevin-Prince auf Seiten der „Black Stars“ war nur ein kleines und kurzes, zumal auch der Schalker in der 53. Minute ausgewechselt wurde.

War die Partie in Halbzeit eins noch eine für Taktikinteressierte, schwang sie sich nun zu einer turbulenten auf: Nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff schaufelte Özil eine Flanke in den ghanaischen Strafraum, durch zwei Afrikaner hindurch landete der Ball direkt auf Götzes Nase, von dort auf sein Knie und ins Netz. Aber kaum hatte Götze seinen Jubel eingestellt, war die Führung schon wieder dahin. Mustafi hatte Ayew bei einer Hereingabe allein gelassen und köpfte mit seinem zweiten Turniertreffer das 1:1 (54.). Neun Minuten später leistete Lahm Aufbauhilfe zum zweiten Gegentreffer. Seinen gewagten Pass am Mittelkreis fing Muntari ab, steckte durch auf Gyan, und der ließ Neuer aus zehn Metern keine Abwehrchance (63.).

Löw reagierte, brachte Bastian Schweinsteiger und Klose, und dieser Plan B, mit einem gelernten Stürmer zu spielen, ging auf. Klose rettet das DFB-Team vor einer Pleite. Weil auch Müller und Özil in der Schlussphase scheiterten, blieb es am Ende beim gerechten 2:2. In der letzten Aktion des Spiels zog sich Müller nach einem Zusammenprall mit John Boye auch noch eine Platzwunde am Kopf zu. „Müller hat einen Cut an der Augenbraue. Ich glaube nicht, dass es genäht werden muss“, hofft Löw.