Fußball-WM

Messis spätes Tor bewahrt Argentinien vor einer Blamage

Beim 1:0 gegen den Iran wird Dejagah ein Elfmeter verweigert

Lionel Messi drehte nach seinem Geniestreich in der Nachspielzeit mit weit ausgebreiteten Armen zum Jubeln ab und verschwand umgehend unter einem Haufen erleichterter Teamkollegen. Der Schuss des Superstars ins lange Eck zum 1:0 (0:0)-Sieg gegen den Iran in letzter Minute sicherte den Argentiniern vorzeitig einen Platz im Achtelfinale – und machte das bislang ungerechteste Ergebnis dieser WM-Endrunde perfekt. „Als ich gesehen habe, dass der Ball drin war, war ich sehr, sehr glücklich“, berichtete Messi und stellte erleichtert fest: „Wir sind nun qualifiziert für die nächste Runde. Genau das hatten wir uns für heute vorgenommen.“

Die mutigen Iraner, die Tränen der Wut und Enttäuschung weinten, hatten Messi und seine Mitspieler über weite Strecken erschreckend planlos aussehen lassen. Zudem war der Außenseiter, der mit einem Punkt noch immer eine Chance auf den Einzug in die K.o.-Runde besitzt, dem Sieg weitaus näher als der Mitfavorit – bis zur Nachspielzeit.

„Wenn man einen Spieler wie Messi hat, ist alles möglich“, sagte Argentiniens Trainer Alejandro Sabella. Und fügte hinzu: „Nicht einmal zwei Torhüter hätten Lionels Tor verhindern können.“ Bis zum Siegtreffer, einem Schlenzer aus 20 Metern halbrechter Position, hatte Argentinien, hatte Messi nicht im Ansatz weltmeisterliches Können erkennen lassen – gegen taktisch geschickte und defensiv sehr disziplinierte Iraner wirkte der zweimalige Weltmeister einfallslos und in zunehmendem Maße auch hilflos.

Die Argentinier hatten zudem großes Glück, dass Schiedsrichter Milorad Mazic (Serbien) dem Iran nach einem Foul von Pablo Zabaleta am überragenden früheren Herthaner Ashkan Dejagah den berechtigten Strafstoß verweigerte (53.). Die lautstarken Proteste des gebürtigen Berliners blieben ungehört. Carlos Queiroz, portugiesischer Trainer der Iraner, fasste sich bei seiner Spielanalyse kurz: „Zwei Leute haben den Unterschied gemacht. Lionel Messi ist der eine. Die zweite Person war der Schiedsrichter“, sagte er und ergänzte: „Es war ein klarer Elfmeter.“ Dejagah schimpfte: „Für Argentinien hätte er das gepfiffen, bei uns hat er sich das wohl nicht getraut.“

Auch die von Messi betriebene Systemumstellung bei der Albiceleste scheint nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein. Nachdem der Superstar die taktischen Experimente von Sabella beim mühevollen 2:1 gegen Bosnien kritisiert und dieser auf Betreiben seines Superstars in der Halbzeit auf 4-3-3 umgestellt hatte, liefen die Argentinier vor 57.698 Zuschauern in Belo Horizonte wieder mit drei Angreifern auf – also mit Gonzalo Higuain, Sergio Agüero und Angel di Maria vor Messi.

Die Vier bewegten allerdings kaum etwas. Drei Tage vor seinem 27. Geburtstag war vor allem Messi trotz seines zweiten Turniertores wie schon gegen die Bosnier weit von seiner Bestform entfernt.