Fußballtrainer

Perfekt integrierter Sunnyboy

US-Trainer Klinsmann muss mit den hohen Erwartungen der Amerikaner leben

Seit 16 Jahren schon lebt Jürgen Klinsmann im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der gebürtige Schwabe besitzt inzwischen den US-Pass, er wohnt mit seiner Frau Debbie und den beiden Kindern Jonathan, 17, und Laila, 13, in der wohlhabenden und stark gesicherten Strandgemeinde von Huntington Beach in Südkalifornien.

Klinsmann geht gern zu Starbucks auf einen Grande Latte, und er freut sich, wenn ihm die Amerikaner ihr gestanztes „How are you doing?“ entgegensäuseln. ,,Ich mag es, wenn ich beim Einkaufen gefragt werde, wie es mir heute geht“, sagt der 49-Jährige. Der deutsche Sunnyboy scheint angekommen in seiner Wahlheimat Amerika, mit Herz, Hirn und Seele. Seit knapp drei Jahren ist Klinsmann zudem als Chefcoach der US-Fußballnationalmannschaft im Amt. Der 108-malige deutsche Nationalspieler hat mit seinem Team in Brasilien das Auftaktmatch gegen Ghana mit 2:1 gewonnen. Nach dem Sieg hat er eilig seinen Daumen hochgestreckt und in die Kamera von Sender ABC gehalten. Und dabei „wir sind bereit“ geraunzt. Seitdem mögen die amerikanischen Medien den deutschen „Juuurgen“ wieder mehr.

Vor wenigen Wochen ist dem US-Chefcoach nämlich ein schwerer Fehler unterlaufen. Kein echter Amerikaner würde etwa vor dem Beginn einer Meisterschaft sagen, dass ,,die Mannschaft noch nicht so weit ist, den Titel zu holen“. Das war ziemlich ehrlich von ihm. ,,Aber einfach nicht wirklich amerikanisch“, urteilt Alexi Lalas, 96-maliger Nationalspieler, der heute für ESPN aus Brasilien als Kommentator berichtet. Und Lalas’ ehemaliger Kollege Kasey Keller sagt: ,,Amerikaner sind es gewohnt zu siegen. Klinsmann und seine durchaus realistische Einschätzung wird von vielen verpönt. Das geht gegen die DNA meiner Landsleute.“

Im Beruf ist und bleibt Klinsmann ein knurriger Deutscher, im Privatleben ist sein Lifestyle dafür amerikanisch und „easy going“. Er rennt vorwiegend mit Turnschuhen, im T-Shirt und seinem bekannt charmanten Grinsen umher. In der Familie hat er großen Rückhalt durch seine Frau Debbie, ein amerikanisches Model mit asiatischen Wurzeln, die mit der Geburt des Sohnes ihren Job in der Modebranche aufgegeben hat.

Klinsmanns aparte Frau bleibt beinahe unsichtbar im Hintergrund, sie spricht kein Wort mit der Presse und konzentriert sich ganz auf ihre Rolle als Mutter. Sie sei in diversen Schulkomitees tätig, heißt es, und gelte als ,,aktives Mitglied der Gemeinde“. Eine ungewöhnliche Attitüde für eine Frau, die bis 1996 als Model arbeitete und die große Auftritte suchte und genoss. Debbie Chin, so ihr Geburtsname, war bei der renommierten Agentur „Elite“ unter Vertrag. Sie war mit ihren Maßen 87-62-90 ein gefragtes Model. Mit 18 Jahren hatte sie den Schönheitswettbewerb „Look of the Year“ gewonnen und dafür etwa 200.000 Euro erhalten.

Ihre Karriere beendete Debbie Klinsmann ein Jahr nach der Hochzeit. Sie wollte sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Danach zeigte sich die brünette Schönheit höchstens mal im Fußballstadion. Auch die Kinder Jonathan und Laila wurden und werden vor der Presse abgeschirmt.

Auch wenn Frau Klinsmann keine öffentliche Wirkung mehr entfalten möchte – ihr Einfluss auf Ehemann Jürgen ist enorm. Bei wichtigen Entscheidungen habe sie das letzte Wort, heißt es aus seinem Umfeld. Als Klinsmann 2004 der Posten des Bundestrainers angeboten wurde, hätte ein Veto von Debbie die Übernahme des Jobs verhindert und damit das deutsche „Sommermärchen“ 2006.

Gern schauen die Klinsmanns ihrem Sohn beim Training zu. Er ist ein guter Nachwuchs-Torwart, ein 1,92-Meter-Hüne, der sogar zum US-Jugendkader gehört. Jürgen Klinsmanns neue große Leidenschaft ist das Fliegen, er hat eine Lizenz als Helikopter-Pilot erworben. Ansonsten ist er Vizepräsident und Teilhaber der Firma „SoccerSolutions“ in South Carolina. Das ist der amerikanische Teil Klinsmanns. Seine deutschen Wurzeln sind noch immer intakt. Auf die Frage, welche Hymne er vor dem Spiel am Donnerstag gegen Deutschland singen werde, sagte er: ,,Ich werde beide Hymnen singen, das ist doch ganz klar.“

Auch halte er noch immer guten Kontakt zu seinem alten Weggefährten Joachim Löw. „Egal, was bei der WM passiert, meine Freundschaft zu Jogi wird davon nicht berührt werden“, sagt Klinsmann. Die enge Bindung halten Löw und Klinsmann notfalls über Bande: Seit Langem haben sie mit dem 56-jährigen ehemaligen Sportjournalisten Roland Eitel den gleichen Medienberater.