Meine WM

Als ich jubelte, hat mir mein Vater die Regeln erklärt

Mark Lebedew, Meistertrainer der BR Volleys, über seine Freude im falschen Moment

Die erste WM, an die ich mich erinnere, ist die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Ich war sieben Jahre alt, lebte also bei meinen Eltern in Australien. Ich weiß noch, dass die Zeitungen voll mit Geschichten darüber waren, obwohl wir ja gar kein Fußball-Land sind. Mir ist da zum ersten Mal bewusst geworden, wie wichtig Sport ist. Ich mochte Sport. Unsere Mannschaft war zum ersten Mal dabei, und alle waren ganz aufgeregt.

Ich auch. Mein Vater erlaubte mir sogar, nachts mit ihm aufzustehen, sodass wir gemeinsam die Spiele der Australier anschauen konnten. Sie wurden alle übertragen, und ich bin auch nie eingeschlafen. Wir waren damals in einer Gruppe mit der DDR, der Bundesrepublik Deutschland und Chile.

Dann kam also das erste Spiel gegen die DDR. Wir hielten ganz gut mit, und als Anfang der zweiten Halbzeit ein Australier den Ball ins Tor schoss, sprang ich aus meinem Sessel hoch und jubelte. Heute weiß ich, dass es Colin Curran war; dass er zu unserer Mannschaft gehörte, habe ich an seinem Trikot erkannt. Es war das erste Tor eines Australiers bei einer WM!

Mein Vater, der sich sehr für Fußball interessierte und besonders die deutsche Mannschaft mochte, hielt jetzt den Zeitpunkt für gekommen, mir die Regeln noch mal etwas genauer zu erklären. Unglücklicherweise hatte Curran den Ball nämlich ins eigene Tor geschossen, es war also gar nicht so erfreulich, wie ich dachte.

Trotzdem habe ich mir alle Spiele der Australier angesehen. Und das Finale. Mein Vater war ja ein Fan der Deutschen, er hatte ein paar Jahre als Kind in Deutschland gelebt. Schon, um etwas anderes als er gut zu finden, habe ich ganz fest den Holländern die Daumen gedrückt. Aber um ehrlich zu sein, das hatte noch einen zweiten Grund: Die Holländer hatten eindeutig die schöneren Trikots.