Meine WM

Ich fühlte mich wie der Depp von Mailand

Sven Schultze, Kapitän von Alba Berlin, über seine Erfahrungen in Italien

Die Saison in der italienischen Lega A war vorbei, aber meine Frau und ich hatten viele Freunde in Mailand, wo ich von 2005 bis 2007 für Armani Milano spielte. Die haben wir Anfang Juli 2006 besucht. Mit einem Mietwagen mit deutschem Kennzeichen, was sich als wenig vorteilhaft herausstellte.

Ich weiß es deswegen noch so genau, dass das Halbfinale Deutschland gegen Italien am 4. Juli stattfand, weil es der Unabhängigkeitstag der Amerikaner ist. Wir feierten ihn bei Freunden, und auf einer Leinwand lief das Spiel. Einige waren auch für Deutschland, Dante Calabria, mit dem ich für Armani spielte, allerdings nicht. Kein Wunder, Dante wurde zwar in den USA geboren, war aber italienischer Nationalspieler. Ganz ehrlich: ich habe mich nicht sonderlich zurückgehalten, ihm und auch allen anderen die Überlegenheit des deutschen Teams anzupreisen. Da ich ja selbst das eine oder andere Länderspiel machen durfte, war es für mich selbstverständlich, der Party im deutschen Dress beizuwohnen.

Wie sich alle erinnern werden, schossen Grosso und Del Piero, als Dante und ich uns schon gegenseitig erklärten, wie unsere Teams jeweils das Elfmeterschießen dominieren würden, Italien kurz vor Ende der Verlängerung ins Finale. Es half nichts, ich wünschte Dante viel Glück fürs Finale. Aber „das Beste“ sollte an diesem Tag noch kommen. Ein Auto mit deutschem Kennzeichen, am Steuer ein Mann im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, sind keine günstigen Voraussetzungen für eine Fahrt durch Mailand, nachdem Italien Deutschland bei der Fußball-WM geschlagen hat. Wir brauchten für die vier Kilometer etwa anderthalb Stunden, wir wurden beschimpft, verhöhnt, unser Auto verschwand öfter in einem Fahnenmeer. Aggressiv wurde es allerdings nie, aber ich fühlte mich irgendwie wie der Depp von Mailand.