Leichtathletik

Istaf erfindet sich neu

Das Stadionfest zieht Lehren aus Indoor-Spektakel und verändert sich

Diskuswerfer Robert Harting hatte leichte Anpassungsprobleme. Sein athletischer Körper fand in dem komfortablen Sessel partout keine bequeme Sitzposition. Und so bewegte sich der 29-Jährige bei der Vorstellung der neuen Pläne für das Internationale Stadionfest (Istaf) immer wieder hin und her. Die Veränderungen von Berlins größter Leichtathletikveranstaltung, die der neue Meeting-Direktor Martin Seeber beschrieb, dürften Harting dann mehr behagt haben als sein Sitzmöbel. Das Istaf soll kürzer, unterhaltsamer und moderner werden.

Damit dürfte das Stadionfest bei den Leichtathleten, die abseits von Olympischen Spielen mit einer immer geringeren Aufmerksamkeit zu kämpfen haben, offene Türen einrennen. Denn die großen Sportfeste sterben in Deutschland schon lange aus. Das Istaf ist kurz vor seiner 73. Ausgabe am 31. August im Olympiastadion eines der letzten seiner Art. Deshalb versucht Seeber mit der Neuausrichtung den Unterhaltungs-Charakter zu betonen: „Die Zuschauer, gerade in Berlin, fordern mehr als nur ein hochkarätiges Sportevent.“

Die Veränderungen sind tiefgreifend. Das Istaf wird kürzer. „Aus unserer Erfahrung ist das Event zu lang. Deshalb wird die Dauer von fünf auf vier Stunden verringert“, sagte Seeber. Eine Stunde Vorprogramm mit den bekannten Schülerläufen und anschließend ein auf drei Stunden komprimiertes Hauptereignis mit den Spitzenathleten. Dafür werden Wettkämpfe gestrichen, für die es keine zugkräftigen Sportler gibt. So wird das Speerwerfen der Frauen nicht stattfinden, weil Weltmeisterin Christina Obergföll in der Babypause ist. Das komplette Programm wollen die Veranstalter erst gut zwei Wochen vor dem Istaf präsentieren. „Wir müssen schauen, wer nach den Europameisterschaften in Zürich fit und auf dem Markt ist“, betonte Seeber. Das durch die geringere Anzahl an Athleten eingesparte Geld soll für bekanntere Sportler ausgegeben werden. Der Etat wird nicht wachsen, sondern bei ungefähr 1,5 Millionen Euro bleiben.

Doch nicht nur mit der Dauer des Wettkampfes haben Leichtathletikveranstaltungen zu kämpfen. Es geht um die Präsentation der Athleten. Deshalb sollen sie jetzt durch einen Tunnel einlaufen. Kunstnebel und Einlaufkinder inklusive. Damit will das Istaf der Weitläufigkeit des Olympiastadions begegnen. „Bei der Vorstellung der Kugelstoßer mussten die Leute doch erst einmal suchen, wo sich die Athleten befinden“, sagte der Meeting Direktor. Jetzt werden die Sportler vor dem Wettkampf auf einer Bühne präsentiert.

Hartings Ritual bleibt

Der Weg des Istaf ist klar. Mehr Show. Mehr Entertainment. Einen Vorgeschmack darauf gab es im Frühjahr, als das Istaf erstmals in der O2 World am Ostbahnhof vor über 10.000 Zuschauern in einer Halle stattfand. Dieser Testballon startete aus Sicht der Veranstalter so gut, dass er nicht nur wiederholt werden soll, sondern Elemente davon auch im Olympiastadion zu finden sein werden. 100-Meter-Läufer Lucas Jakubczyk findet diesen Weg richtig: „Bei vielen großen Meetings oder Deutschen Meisterschaften geht man als Athlet ein bisschen unter. Da hat das Istaf Indoor Maßstäbe gesetzt.“

Robert Harting trägt mit seinem Markenzeichen des Trikotzerreißens nach einem Titelgewinn auch zur Show bei. Im Gegensatz zum Istaf steht bei diesem Ritual allerdings keine Änderung an, wie der Diskuswerfer versichert: „Da bleibt ja nur die Hose, und ich glaube nicht, dass das jemand sehen möchte.“