Hockey-WM

Schwächstes WM-Abschneiden seit 43 Jahren

Kein deutsches Hockey-Team steht in Holland im Halbfinale

Erstmals seit der Premiere im Jahr 1971 findet das Männer-Halbfinale einer Hockey-WM ohne die Titelsammler aus Deutschland statt. Zwar gewann die erfolgsverwöhnte Auswahl von Bundestrainer Markus Weise ihr letztes Vorrundenmatch in gewohnt souveräner Manier gegen Südkorea 6:1 (3:0). Doch Rivale Argentinien hatte den in Den Haag zuvor zweimal besiegten deutschen Olympiasiegern durch ein 5:1 über Südafrika die letzten vagen Hoffnungen aufs Erreichen des Mindestziels genommen.

Die DHB-Frauen, die beim 1:3 (0:0) gegen England eine weitere Enttäuschung erlebten, mussten das Weiterkommen bereits am Pfingstwochenende abschreiben. Sie sind zum vierten Mal bei der Vorschlussrunde einer Weltmeisterschaft nur noch Zuschauer. Für beide DHB-Teams geht es in der Platzierungsrunde weiter. Weise: „Wir wollen nun auf jeden Fall Fünfter werden.“ Die Frauen spielen gegen Südkorea um Rang sieben.

„Was das deutsche Hockey in den letzten zehn, zwölf Jahren erreicht hat, war einzigartig. Vielleicht ist es da sogar hilfreich, wenn es auch mal anders als erhofft läuft“, erklärte DHB-Präsident Stephan Abel zum mageren Abschneiden beider Mannschaften. Man werde vieles prüfen, um den Auswahlteams und ihren nicht zur Disposition stehenden Trainern „mehr Freiräume“ für eine angemessene Vorbereitung auf Top-Events zu verschaffen. „Wenn wir bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllen, kann das bei Olympia- oder WM-Turnieren immer in einer Enttäuschung enden“, betonte Abel.

Dass nach den im Umbruch steckenden Frauen auch das DHB-Aushängeschild der Männer in den Niederlanden Schiffbruch erleiden würde, war befürchtet worden. Das Fehlen von Leitwolf Moritz Fürste (Kreuzbandriss) konnte nicht kompensiert werden. Oliver Korn, der nach einer Blinddarm-Operation zehn Kilo Gewichtsverlust wettmachen musste, präsentierte sich wie Welthockeyspieler Tobias Hauke (Gesichtsverletzung) und Kapitän Max Müller (Achillessehnen-Operation) nicht in Top-Form. Die Quittung war das unerwartete 0:1 im zweiten Turnierspiel gegen Argentinien.

„Dass uns der frühe WM-Termin große Schwierigkeiten bereiten würde, hat sich leider bewahrheitet“, sagte DHB-Sportdirektor Heino Knuf angesichts des durch die Fußball-WM vom August vorgezogenen Events. „Uns fehlen mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit“, meinte Weise. Knuf sprach zugleich die Hoffnung aus, dass der „Warnschuss“ gehört und die von Frauen-Coach Jamilon Mülders formulierte Forderung nach „mehr Zeit, mehr Länderspiele und mehr Geld“ umgesetzt werde. „Sonst wird der Rückstand bald nicht mehr aufzuholen sein“, sagte er mit Blick auf die Top-Nationen mit oft viel besseren Voraussetzungen.