Kommentar

Konsequentes Risiko

Jörn Meyn über Löws Entscheidung für nur einen Stürmer

Die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, bei der WM mit Miroslav Klose nur einen einzigen Stürmer im Kader anzutreten, ist riskant. Kein anderes Team wird mit nur einem echten Torjäger anreisen. Sogar die Spanier, lange Zeit Löws fußballerisches Leitbild, werden drei Angreifer dabei haben – David Villa, Diego Costa und Fernando Torres, wovon die letzten beiden klassische Mittelstürmer sind. Aber was, wenn sich der bald 36 Jahre alte Klose verletzt, oder nicht richtig fit wird? Löw nimmt dieses Risiko in Kauf, weil in seinem Fußball ohnehin kein Platz mehr für feste Positionen ist. Fußball ist heute Variabilität. Löws Sturmvarianten sind Klose oder die „falsche Neun“ – gegeben von Mario Götze oder Thomas Müller. Kevin Volland, den Löw aus dem Kader strich, war verzichtbar, weil er Platz schafft für einen weiteren variablen Mittelfeldspieler vom Typus „technisch beschlagen und mit Zug zum Tor“ – Julian Draxler. Das Risiko, das Löw mit nur einem Stürmer eingeht, ist daher konsequent. Der Bundestrainer passt seinen Fußball damit auch dem derzeit gegebenen Personal an, das aus vielen überdurchschnittlich guten Mittelfeldspieler besteht, aber keine Weltklassestürmer mehr aufweist.