Haftantritt

Für Hoeneß beginnt der Tag hinter Gittern um 5.50 Uhr

Bayerns Ex-Präsident lebt im Gefängnis in acht Quadratmeter großer Zelle

Die Mitteilung war nur sehr kurz: Die Anwälte von Uli Hoeneß wollten lediglich den Haftantritt ihres prominenten Mandanten bestätigen, weitere Details oder eine Stellungnahme des ehemaligen Fußballmanagers veröffentlichten sie nicht.

Hoeneß hatte sich Berichten zufolge gegen seine Unterbringung in das als unmodern geltende Landsberger Gefängnis gewehrt. Er sah demnach seine Privatsphäre beeinträchtigt, weil die Justiz das Gefängnis im Rahmen eines Medientags Journalisten zugänglich gemacht hatte und dabei auch Bildaufnahmen der für seine Haft möglichen Zellen entstanden. Angeblich wollte Hoeneß in der moderneren Landshuter JVA untergebracht werden, was allerdings abgelehnt wurde.

Zudem waren Sicherheitsbedenken laut geworden, nachdem Hoeneß Opfer eines Erpressungsversuchs geworden war. Ihm waren von einem Ex-Sträfling „für seine bevorstehende Strafhaft erhebliche Schwierigkeiten angedroht“ worden. Der 50 Jahre alte Täter wurde bei einer fingierten Geldübergabe festgenommen.

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte der 62-Jährige am 10. Mai auf der Meister-Feier der Bayern im Münchner Post-Palast. Eine Woche zuvor hatte Hoeneß bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Klubs seine Rückkehr in den Verein angekündigt. „Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war’s noch nicht“, hatte er gesagt. Gespräche mit Verantwortlichen über diese Zukunftspläne hat es bisher allerdings angeblich noch nicht gegeben.

Die Realität für den gefallenen Fußballfunktionär, der stets polarisierte, sieht nun erst einmal so aus: Die JVA Landsberg ist 106 Jahre alt, hat 565 Haftplätze und ist ein Ort der Geschichte. Hier saß unter anderem Adolf Hitler ein. Für Hoeneß beginnt der Tag hinter Gittern um 5.50 Uhr. Um 6.10 Uhr werden die Zellen aufgeschlossen, ab 6.20 Uhr gibt es Frühstück. Danach ist Arbeitsbeginn. 17 Betriebe hat die JVA Landsberg, darunter eine Metzgerei, eine Autowerkstatt und eine Schlosserei.

Mittagspause ist von 11 bis 12 Uhr. Danach wird bis etwa 15.30 Uhr weitergearbeitet. Nach dem Abendbrot ist von 17 bis 19 Uhr so genannter Aufschluss. Die Gefangenen haben Freizeit, können sich sportlich betätigen, Bücher ausleihen oder diverse Angebote der Gefängnisleitung wahrnehmen (etwa Zen-Meditation oder Power-Yoga).

Die Einzelzellen in Landsberg sind acht bis zehn Quadratmeter groß. Darin gibt es ein Bett, einen Schrank, einen Tisch und einen Stuhl. Einen Fernseher oder ein Radio-Gerät kann Hoeneß zusätzlich beantragen. Zudem gibt es einen Nassbereich mit Waschbecken und Toilette. Die Gemeinschaftsduschen sind auf dem Flur. Hoeneß darf kein Handy benutzen, telefonieren ist nur in dringenden Fällen erlaubt. Besuch darf zweimal im Monat je zwei Stunden empfangen werden. Die Haftbedingungen seien „für jeden gleich“, sagte der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Anton Bachl. „In der Haft werden die Größten handsam, da ist man in einer anderen Welt.“