Radsport

Berliner Voigt nach 18 Profi-Jahren auf Abschiedstournee

Es gefällt Jens Voigt überhaupt nicht, dass es nun zu Ende geht. Doch der 42-Jährige merkt, sein Körper lässt sich vom Kopf nicht mehr überlisten.

Das bisher Undenkbare ist bald Wirklichkeit – ein Peloton ohne den ältesten Radprofi der World Tour. „Shut up legs habe ich schon zu lange und zu oft benutzt“, sagt Voigt vor dem Start der Bayern-Rundfahrt (28. Mai bis 1. Juni).

Mit diesem Ausspruch hatte er seinen Beinen regelrecht verboten, die Arbeit einzustellen. Doch diese Beine, das kann Voigt nicht mehr ignorieren, die wollen inzwischen nicht mehr so wie früher. „Ich hasse es, das sagen zu müssen, aber wir sprechen hier ja nicht von Ping-Pong oder Bowling“, sagt der Berliner. Deshalb ist nach dem 18. Jahr als Profi Schluss.

Und deshalb ist seine 17. Teilnahme an der Tour de France auch kein Selbstläufer wie in den vergangenen Jahren. Nach eigener Aussage gehört der Profi des US-Teams Trek Factory Racing aber zu den 15 Fahrern, die in der Vorauswahl für den Kader der neunköpfigen Tour-Mannschaft stehen. „Mein Vorteil ist, dass ich bei der Tour nie enttäuscht habe. Aber ich breche nicht in Selbstmitleid aus, wenn es nicht klappt. Ich bremse einfach auf den Abfahrten zu viel“, sagt der zweimalige Tour-Etappensieger. Die Entscheidung werde in gut zwei Wochen fallen.

Auf seiner Abschiedstournee am Ende einer langen Laufbahn empfindet Voigt auch etwas Wehmut. „Ich weiß, jedes Rennen in der Saison ist das letzte Mal als Rennfahrer. Das tut schon weh“, sagt er. Nichts in seinem Leben sei bisher konstanter als der Radsport gewesen, aber er müsse die Zeichen erkennen. „Kopf und Körper sagen: wir halten dieses Jahr noch zusammen, dann ist aber Pause.“ Ein Hintertürchen zum Weitermachen gebe es nicht mehr.

Voigt will nahe an seiner jetzigen Mannschaft bleiben, die Lizenz als Sportlicher Leiter erwerben, an einem englischen Buchprojekt arbeiten und so weiter. Ein bisschen reinschnuppern, Optionen testen. Und während der Tour? Da heißt es dann nicht mehr ‚shut up legs‘, sondern „Baggersee und Barbecue“ mit seiner Frau und den sechs Kindern.