Basketball

Logan ist Albas Auswärtstrumpf

Wenn der Topscorer in Berlin nicht trifft, ist er danach in fremder Halle umso korbhungriger

Cool bleiben, gelassen, egal wie es läuft. David Logan ist nicht der Typ der Freudentänze, der die Fäuste in die Luft reißt, wenn er seinen Job erledigt hat und den Ball per Dreier oder von wo auch immer im gegnerischen Korb untergebracht hat. Seine Mimik unterscheidet sich kaum von der, mit der er am vergangenen Sonntag bei der Ehrenrunde die Fans in der O2 World abklatschte.

Das war am Ende eines Arbeitstages, der alles andere als befriedigend für Albas Topscorer verlaufen war. Achtmal hatte Logan den Ball fliegen lassen, nur einmal war er auch im Korb gelandet, ganze zwei Pünktchen hatte er zum 81:79-Erfolg nach Verlängerung im ersten Spiel der „Best-of-five“-Serie des Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft gegen die Artland Dragons beigetragen. „Wir haben gewonnen, das ist doch die Hauptsache. Unsere Verteidigung hat uns im Spiel gehalten“, sagt Logan. „Aber das Spiel haben wir längst hinter uns gelassen, wir sind jetzt voll auf Spiel zwei fokussiert.“

Das werden die Dragons vor ihrem Heimspiel am Mittwoch in Quakenbrück (20.55 Uhr Sport1 live) nur ungern hören, denn Logan ist keiner, der einen „Korbstau“ lange mit sich herumschleppt. Im dritten Viertelfinalspiel gegen Ulm hatte er von zwölf Würfen nur einen getroffen. 48 Stunden später war er mit 23 Punkten in Ulm Albas bester Werfer und schoss sein Team so mit ins Halbfinale. „Irgendwie treffe ich zur Zeit auswärts besser“, sagt der Mann aus Chicago und lächelt dann doch flüchtig: „Und natürlich hoffe ich, dass es wieder genauso läuft wie in Ulm.“

Und wenn nicht? Vor dieser Frage muss Alba nicht bange sein, denn das „Einer für alle, alle für einen“ wird in dieser Saison nicht nur proklamiert, sondern gelebt. Coach Sasa Obradovic setzt derzeit elf Spieler pro Partie ein und als Logan im ersten Spiel gegen Quakenbrück nicht traf, erledigten Reggie Redding (19 Punkte) und Vojdan Stojanovski (16) den Job.

Seit kurzem gibt Obradovic einigen seiner Spieler markante Spitznamen. So ist Clifford Hammonds, gerade als bester Verteidiger der Liga gekürt, für ihn die „Berliner Mauer“, Stojanovski seit dem Artland-Spiel sein „Killer von der Bank, der genau den Job gemacht hat, für den ich ihn geholt habe“. Der Mazedonier blieb bei fünf Würfen ohne Fehlversuch, nervte die Dragons permanent mit seinem energischen Zug zum Korb und war nur per Foul zu stoppen. Was nicht weiterhalf, denn Stojanovski traf neun seiner zehn Freiwürfe.

Dass Redding Spiele entscheiden kann, hat er in seiner ersten Saison im Alba-Trikot längst bewiesen. Er ist nicht ganz so cool wie Logan und lächelt, wenn man ihn auf die drei Freiwürfe anspricht, mit denen er in Spiel eins im letzten Moment die Verlängerung erzwang. „Ich mag Druck, Druck ist gut“, sagt er dann. „Ich wusste, dass wir keinesfalls verlieren durften und habe alle drei reingemacht.“

Mit dem Sieg liegt der Druck, den Redding so liebt, jetzt bei den Dragons. Siegt Alba auch in Quakenbrück, können die Berliner schon am Sonntag zu Hause das Finale klar machen. „Wir sind ein gutes Auswärtsteam“, sagen alle aus tiefster Überzeugung. Und wohl auch in dem Wissen, dass Logan sich nicht mit zwei Punkten begnügen wird.