ADAC-Masters

„Selber fahren macht mehr Spaß als zuschauen“

Rallye-Champion Ogier verzichtet für Start am Lausitzring auf die Formel 1 in Monaco

Der Zeitplan meint es gut mit Rallye-Weltmeister Sebastien Ogier. Denn der Start zum heutigen zweiten Rennen der ADAC-Masters-Serie auf dem Lausitzring ist auf 12.30 Uhr angesetzt. Eine gute Stunde später ist das Gastspiel des Franzosen im Audi R8 von Teamchef Christian Abt beendet (im Rennen am Sonnabend belegte er Rang 13 unter 30 Startern) und der 30-Jährige kann dann umgehend via TV einen Blick zum Großen Preis von Monaco werfen. Im Fürstentum an der Cote d’Azur startet um 14 Uhr die Formel 1. Die Königsklasse ist die heimliche Liebe des Driftkünstlers aus Gap, einer 40.000-Einwohner-Stadt in der Provence. Und warum ist er nicht vor Ort in Monte Carlo?

„Es hat vor einiger Zeit Gespräche gegeben für einen Gaststart in der GT-Klasse hier am Lausitzring und selber fahren macht noch mehr Spaß als zuschauen. Danke an Volkswagen, an Audi an Christian und an den ADAC“, gibt sich Ogier politisch korrekt. Ein klein wenig ins Schwärmen gerät er, wenn es um die Leistung seines Kurzzeit-Dienstwagens geht „Mein Rallye-Polo leistet 315 PS, der Audi 550. Das mach schon Spaß“, so Ogier. Noch ein wenig größer wird die Schwärmerei, wenn es um Monaco und die Formel 1 geht. „Meine Eltern haben, wann immer es ging, mit mir den Grand Prix besucht. Die Atmosphäre hat mich begeistert. Später war ich ein paar Mal als Streckenposten richtig mit dabei. Und 2013 durfte ich sogar im Porsche Supercup dort starten“, blickt er zurück. Und muss dann lächeln. Denn die Frage, wer denn nun die besseren Piloten seien, Formel 1- oder Rallyeakteure, ist ihm vertraut. „Keiner ist besser. Beides ist zu verschieden.“

Zweiter Versuch: Wer hätte den mehr Probleme bei einem Wechsel des Fahrzeugs? Ogier legt den Vorwärtsgang ein. „Für einen Formel-1-Fahrer wärt es sicher problematischer. Er müsste sich mit den verschiedenen Streckenbelägen wie Asphalt, Schotter oder auch Schnee auseinandersetzen. Und er müsste sich an das Fahren nach der Ansage des Co-Piloten gewöhnen. Denn auf der Rundstrecke musst du fünf oder sechsmal um die Strecke fahren, dann hast du den Kurs im Kopf. Eine Sonderprüfung ist etwas anderes. Ein Top-Rallye-Pilot käme im Formel 1 zunächst schneller auf ordentliche Zeiten.“

Ein hauch von Stolz auf den komplizierteren Job ist schon spürbar. Also ist Sebastian Ogier doch ein bisschen besser als Sebastian Vettel? „Nein, du kannst es nicht vergleichen.“ Hat er es jemals bedauert, nicht in der Formel 1 gelandet zu sein? „Nein. Ich bin rundum zufrieden als Rallye-Profi. Ich liebe die Mischung aus Lockerheit und absoluter Präzision in unserem Sport.“ Unstrittig ist seine Wertschätzung für den deutschen Weltmeister-Kollegen dennoch. „Um in der Formel 1 so lange vorn dabei zu sein, musst du dich extrem fokussieren, immer konzentriert sein und körperlich fit. Das ist bei uns nicht anders. Wer das schafft, verdient Respekt.“

Rosberg behindert Hamilton

Respekt, den Ogier mit Sicherheit auch Nico Rosberg entgegenbringt. Der 28 Jahre alte Mercedes-Pilot sicherte sich in seiner Wahlheimat Monaco nach einer hart umkämpften Qualifikation die beste Startposition, 0,059 Sekunden vor seinem Team-Kollegen Lewis Hamilton und dem Red-Bull-Duo Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel. Rosberg legte damit trotz eines Fahrfehlers in der letzten Runde den Grundstein für seinen zweiten Erfolg nach 2013 im prestigeträchtigsten Rennen des Jahres – und für seine Rückkehr an die Spitze des WM-Klassements, die momentan noch Hamilton (100:97 Punkte) inne hat. „Das tut mir wirklich leid für Lewis, aber es ist, wie es ist“, sagte Rosberg.

Hamilton glaubte offensichtlich an eine andere Version – und vermutete offenbar Absicht wie einst bei Michael Schumacher (der dann aber als Letzter starten musste). Dr Brite nannte die Vorkommnisse „ironisch“ und präsentierte sich ansonsten schmallippig: „Ich war auf Kurs, aber die Runde hatte sich erledigt, und das war’s dann.“ Die Rennkommissare ermittelten jedenfalls – und sprachen Rosberg drei Stunden später vom Vorwurf eines Vorsatzes frei.