Finale

Eishockey-Trainer mit deutschem Pass führt Russland ins WM-Finale

Oleg Snarok wirkt mürrisch, murmelt leise vor sich hin. Als das Stichwort Sotschi fällt, schaut der 51-Jährige böse. „Nächste Frage“, brummt er.

Der ehemalige Zweitliga-Spieler mit deutschem Pass hat die russischen Eishockey-Stars um Alexander Owetschkin als Trainer auf Kurs gebracht. Bei der WM in Minsk steht er nach dem 3:1 gegen Titelverteidiger Schweden heute im Finale (20 Uhr, Sport1) gegen Finnland, das Tschechien mit 3:0 schlug. Ein Sieg wäre die Wiedergutmachung für die Pleite beim olympischen Heimspiel vor drei Monaten. Nur darüber reden will Snarok nicht.

Als Spieler galt er als schlampiges Genie, eine mögliche NHL-Karriere scheiterte an fehlenden Englisch-Kenntnissen. Doch als Trainer scheint Snarok genau der Richtige für die russischen Stars zu sein. Er brachte ihnen taktische Disziplin bei, selbst Superstar Alexander Owetschkin geht jetzt pünktlich vom Eis, wenn die Kollegen in seiner Sturmreihe wechseln. „Wir haben ein Team geformt, das ist das Erfolgsrezept“, sagte der Coach.

Die Boston Bruins unterbreiteten ihm ein Angebot für die NHL, Snarok lehnte es ab, „weil mir die Summe zu klein war“, wie er den „Eishockey-News“ erzählte. Das Problem: Weil er kein Englisch verstand, hatte er nur die Zahl gelesen und nicht, dass sie pro Monat und nicht pro Jahr gezahlt werden sollte. „So ist das Schicksal“, sagte er. „So bin ich in Deutschland gelandet.“ Snarok spielte damals im Unterhaus für Landsberg, Freiburg und Heilbronn. Für die DEL hätte er „sehr viel arbeiten müssen. Darauf hatte ich damals keine Lust mehr“.

Erstklassig wurde Snarok erst als Trainer. Bei fünf Weltmeisterschaften und bei Olympia 2010 betreute er die Letten, in der KHL führte er Dynamo Moskau zweimal zum Meistertitel. Als nach der Olympiapleite Sinetula Bijaletdinow gehen musste, wurde Snarok Russlands Nationaltrainer. Und greift nach dem Titel.