Play-off-Halbfinalspiel

Der kleine Drache begehrt auf

Albas Halbfinale gegen die Artland Dragons wird bestimmt vom Duell der ungleichen Spielmacher Clifford Hammonds und David Holston

Die Videoaufnahmen von seinem Idol Michael Jordan haben Clifford Hammonds damals restlos überzeugt. Als Jugendlicher hatten ihm sein Vater und sein Trainer vorgeführt, was der große „Air“ Jordan, einer der besten Basketballspieler aller Zeiten, alles kann. Heute sagt Hammonds, inzwischen Spielmacher bei Alba Berlin: „Mir wurde deutlich gezeigt, dass er eben nicht nur vorne spektakulär gepunktet, sondern auch richtig in der Verteidigung geackert hat.“ Für Hammonds waren es bleibende Eindrücke. Er hat verinnerlicht, dass Defensivarbeit über allem steht.

Für diese Einstellung wird er belohnt. Am Sonntag, vor dem ersten Play-off-Halbfinalspiel gegen die Artland Dragons in der O2 World (15.45 Uhr, Sport1), wird der 28-Jährige als bester Verteidiger der Liga ausgezeichnet.

Ehrung als bester Verteidiger

„Das ist eine tolle Anerkennung“, freut sich der US-Amerikaner und schiebt schnell nach: „Es ist aber auch eine Anerkennung für das ganze Team. Es zeigt, dass wir einen richtig guten Job machen.“ Die Defensiv-Philosophie von Albas Cheftrainer Sasa Obradovic deckt sich genau mit der von Hammonds, der im vergangenen Sommer nach einem Engagement in Bosnien für zwei Jahre nach Berlin wechselte. Alba ist das in der Verteidigung stärkste Team der Liga, hier liegt der Schlüssel dafür, dass die neu zusammengestellte Mannschaft schon – schneller als von den meisten erwartet – so erfolgreich spielt: Pokalsieg, Viertelfinale im Eurocup, Halbfinale in der Bundesliga.

Und das Finale scheint möglich, haben die Berliner in der Serie „Best of five“ jetzt Heimvorteil gegen die Drachen. Der Respekt ist dennoch groß. „Die sind echt stark“, sagt Hammonds. „Dass sie Titelverteidiger Bamberg ausgeschaltet und in deren Halle zweimal gewonnen haben, sagt doch alles.“ Aber er und seine Teamkollegen seien „bereit“.

Alba gegen Artland, das ist vor allem auch das Duell zwischen dem 1,91 Meter großen Hammonds und David Holston. Wie Hammonds Spielmacher, 28 Jahre alt und US-Amerikaner. Der signifikante Unterschied: Holston ist mit 1,70 Meter der kleinste Spieler der Liga. So zumindest die offizielle Größenangabe, eher dürfte er noch zwei, drei Zentimeter kleiner sein. „Dazu sage ich nichts“, erklärt er lachend. Überhaupt seine Größe: „Wohl eine Million Mal habe ich das schon gehört. Aber wenn ich auf dem Feld stehe, fühle ich mich groß.“

Zweimal sind sich die beiden in dieser Saison schon gegenübergestanden. 1:1 steht es nach Siegen. „Der ist verdammt schnell“, hat Hammonds festgestellt. Kurz und knapp antwortet Albas Mann mit der Nummer 25 auf dem Trikot, blumige Aussagen sind vom vierfachen Familienvater nicht zu hören. „Ich werde versuchen, ihn so gut wie möglich aus dem Spiel zu nehmen.“ Und dazu noch in der Offensive sein Team führen.

Andere sind etwas redseliger. „Cliff ist unser Motor“, sagt Kapitän Sven Schultze, „er reißt uns mit und gibt in der Defensive den Ton an.“ Coach Obradovic lobt: „Cliff ist einer der besten Defensivspieler, die ich jemals trainiert habe.“ Für seinen Musterschüler hat er einen griffigen Spitznamen parat: „Berlin wall“, die Berliner Mauer. Gegen diese Mauer will sich nun Holston stemmen. Ihm wiederum wurde das Prädikat „Zauberzwerg“ verliehen. Die „Sport-Bild“ reimte: „Holston knallt am dollsten“.

Die Größe eines Gegenspielers ist für Hammonds kein großes Thema. „Klein oder groß, ich stelle mich eben entsprechend drauf ein.“ Sein Trainer sieht das anders. Obradovic, der als Spieler Welt- und Europameister wurde, erinnert sich: „Solche kleinen, wendigen Spielmacher konnte ich nie leiden.“ Aber über Holston spricht er mit Respekt: „Er findet immer wieder Lösungen, seinen Größennachteil auszugleichen.“

Kleinster Spieler der Liga

Als Zwerg unter Riesen hat es Holston nie leicht gehabt. „Vielleicht ist es so eine Art von ,Jetzt erst recht’“, sagt sein Trainer Tyron McCoy auf die Frage, was seinen Spielmacher so stark mache. „Vielleicht hat man ihm wegen seiner Größe öfter mal gesagt, du kannst dies nicht oder das nicht – und auch nicht professionell Basketball spielen.“ Holston sei es in besonderem Maße „gewohnt, sich zu beweisen“. Holston stimmt zu, wenn er an seine Zeit in der Highschool und später am College denkt: „Es war nicht leicht für mich. Aber ich habe nie aufgegeben und jeden Tag hart gearbeitet. Vor allem meine Mutter hat mich immer wieder aufgebaut.“ Doch inzwischen habe er „riesiges Selbstvertrauen“.

Was der kleine Mann vor allem oft in der entscheidenden Schlussphase beweist. Dann dreht er erst so richtig auf. „David ist zum Ende der Spiele der interessanteste Spieler auf dem Parkett“, sagt McCoy. „Die Spiele, die wir ganz am Ende gewonnen haben, hat er gewonnen.“ Aber da stand David Holston auch nicht vor der Berliner Mauer.