Basketball

„Als Trainer musst du mehr nachdenken“

Tyron McCoy über Artlands Halbfinale gegen Alba und frühere Starspieler an der Seitenlinie

Er hat Alba schon Probleme bereitet, als er noch kurze Hosen und das Trikot mit der Nummer 14 trug. Quakenbrücks Coach Tyron McCoy spielte zehn Jahre in der Bundesliga, sechs davon in Oldenburg. Man nannte ihn respektvoll „The Cat“ (Die Katze), denn er wusste, wo der Korb hing. McCoy machte in 282 Spielen 4758 Punkte und klaute den Gegnern 506 Mal den Ball, öfter als jeder andere in der Geschichte der Liga. Seit 2008 trägt er an Spieltagen Anzug, in dieser Saison bei den Artland Dragons erstmals als Chef. Im Viertelfinale entthronten McCoy und die Drachen Meister Bamberg, jetzt kommt er zum ersten Spiel der „Best-of-five“-Serie des Halbfinales gegen Alba am Sonntag (O2 World, 15.45 Uhr) nach Berlin und versichert: „Wir werden wieder alles geben.“

Berliner Morgenpost:

Sie haben den Meister der letzten vier Jahre dank zweier Auswärtssiege souverän ausgeschaltet, Herr McCoy. Was war der Schlüssel?

Tyron McCoy:

So souverän war das nicht. Die ersten drei Spiele waren eng und hätten auch anders ausgehen können. Ich glaube, der erste Sieg in Bamberg hat uns sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Von diesem Moment an haben wir daran geglaubt, dass wir auch die Serie gewinnen können.

Was können Sie in das Duell gegen Alba mitnehmen?

Das Selbstvertauen bleibt, wenn man den Meister der vergangenen vier Jahre geschlagen hat, aber keine Serie gleicht der anderen und die gegen Alba wird total anders werden. Die Berliner spielen einen ganz anderen Basketball, sehr aggressiv. Wir sind das auch, aber unsere Spielanlage ähnelt der der Bamberger viel mehr als der der Berliner. Wir müssen uns taktisch ganz neu einstellen.

Abseits des Taktischen: Was verlangen Sie von Spielern? Was ist Ihre Philosophie?

Ich will, dass meine Spieler zu allererst gut verteidigen und in der Offense als Mannschaft zusammenspielen. Ich denke, dass wir einen sehr ausbalancierten Kader haben, in dem viele Spieler punkten können, und wir spielen mit einer Rotation von neun oder zehn Spielern. Es kann sein, dass die Gegner mal mehr Punkte auf dem Konto haben als wir, aber der Einsatz in der Verteidigung darf niemals der Anlass dafür sein.

Das hätte wortwörtlich auch Albas Coach Sasa Obradovic so sagen können.

(lacht) Na, wenn Sasa das sagt, dann ist das ein guter Plan. Er ist jetzt schon seit Jahren ein gestandener Coach.

Sie haben ja noch gegen Obradovic gespielt. Wann fassten auch Sie den Plan, Coach zu werden?

Erst gegen Ende meiner Karriere. Du erlebst als Spieler so viel, sammelst Erfahrungen mit so vielen verschiedenen Menschen und Coaches. Du verstehst das Spiel und das ganze Drumherum immer besser. Irgendwann hat mich Don Beck (damals Trainer in Oldenburg, d. Red.) gefragt, ob ich nicht Coach werden wollte. Ich habe darüber nachgedacht und als sich mir die Möglichkeit bot, den Schritt getan.

Obradovic erzählt, er habe „den Spieler in sich töten“ müssen. Als Coach fange man ganz von vorn an.

So ist es. Als Spieler reagierst du, musst dich schnell entscheiden und bist emotional. All das brauchst du als Coach auch, aber du musst viel mehr nachdenken. (lacht) Nicht nur mehr, sondern länger und mehr in die Tiefe gehend und das rund um die Uhr. Ich bin heute auch manchmal noch zu emotional, es ist ja auch mein erstes Jahr als Headcoach. Aber mein Job ist es, ruhig zu bleiben und die Verantwortung für das Ganze zu tragen. Du musst deutlich mehr investieren.

Findet man in der Spielanlage von Coaches, die sehr erfolgreiche Spieler waren, deren Qualitäten als Aktive wieder?

Nein, vielleicht eher in der Zusammensetzung ihrer Mannschaften. Sasas Teams zum Beispiel verteidigen immer hart, da erkennt man ihn wieder. Den Charakter eines Spielers findet man auch später in ihm wieder, wenn er ein Coach ist. Sasa und ich haben, glaube ich, eines in jedem Fall gemeinsam: wir verlangen, dass die Mannschaft niemals aufgibt.

Sie sind jetzt 15 Jahre in Deutschland – fühlen Sie sich hier zu Hause?

Ja. Ich habe ja hier mehr als ein Drittel meines Lebens verbracht. Und ich bin auch mit einer Deutschen verheiratet, esse liebend gern Grünkohl und so. Wenn ich mal etwas in den USA vermisse, dann meine Familie oder das Wetter in South Carolina. Der Lebensstandard in Deutschland ist sehr hoch und die Menschen waren immer freundlich zu mir. Ich wollte schon als Spieler immer hier bleiben, weil es hier korrekt zugeht. Versprechen werden gehalten und das sieht ja in anderen Basketballligen zum Teil ganz anders aus. Hier spielt keiner irgendwelche Spielchen mit dir.

Sie sind jetzt 41 Jahre alt, seit wann sind Sie „The Cat“?

Das kann ich nicht sagen, ich wusste ja nicht mal, dass ich so genannt wurde, bis es mir ein Mitspieler erzählt hat. Ich denke, das war in Frankfurt, wo ich in der Saison 2000/2001 gespielt habe, vielleicht aber auch erst danach in Oldenburg. In den USA hat mich nie jemand so gerufen. Ich konnte damit gut leben, auch wenn ich jetzt vielleicht eine übergroße Katze bin.