Vorberichterstattung

Medizinische Seifenoper um Cristiano Ronaldo

Real gegen Atlético: Den Finalisten der Champions League drohen Ausfälle

Fünf Tage vor dem Champions-League-Finale zwischen den Stadtrivalen Atlético und Real an diesem Sonnabend (20.45 Uhr, ZDF und Sky) schwebte ein Privatjet aus Madrid in Belgrad ein. An Bord befand sich Diego Costa, der beim Ligaspiel Atléticos in Barcelona nach einer Viertelstunde mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz gegangen war. Weinend: Das große Finale schien erledigt, selbst die WM äußerst fraglich. Dann traf er sich mit der Wunderheilerin Marijana Kovacevic – und am Mittwoch kehrte ein Costa nach Madrid zurück, der ein Lächeln auf den Lippen trug. Es gibt wieder Hoffnung, heißt es.

Doch nicht nur wegen Diego Costa könnte die Vorberichterstattung zum Endspiel als ärztliches Bulletin verfasst werden. Die Top-Nachrichten in der Madrider Sportpresse am Donnerstag, erstens: Costa. Zweitens: Pepe (Real, Wade) hat einen Rückfall erlitten und fällt so gut wie sicher aus. Drittens: Der Einsatz von Benzema (Real, Adduktoren) wird sich beim Abschlusstraining entscheiden. Viertens: Für eine zweite Meinung im Fall Arda Turan (Atlético, Becken) flog sein Vertrauensarzt aus Istanbul ein.

Und in dieser Auflistung war mal nicht Cristiano Ronaldo dabei, der mysteriöseste Patient von allen. Der Portugiese hatte Sonnabend das Aufwärmen abgebrochen und sich aus dem Aufgebot gestrichen. „Eine kleine Verspannung“, wie Trainer Carlo Ancelotti erklärte. Doch wer weiß, wie obsessiv CR7 individuellem Ruhm hinterher zu jagen pflegt, und dass er in diesem Spiel letztmals den Gleichstand mit Liverpool Luis Suárez im Duell um den Goldenen Schuh für Europas besten Torjäger hätte brechen können, dem kamen Zweifel.

Denn seit Monaten rankt sich um den Weltfußballer eine medizinische Seifenoper, die es mit jeder Krankenhausserie aufnehmen könnte. Im Zentrum stehen divergierende Diagnosen der Klubärzte und der Leibdoktoren des Portugiesen. Schon seit März sollen die Experten des Vereins dem Spieler geraten haben, wegen einer Sehnenentzündung im Knie seine Einsätze zu dosieren. Die persönlichen Therapeuten dagegen sahen keine Notwendigkeit, seine Gelüste nach jeder auch noch so unwichtigen Partie wie etwa dem Achtelfinalrückspiel gegen Schalke (nach einem 6:1 auswärts) zu hemmen. Im Ergebnis stellte Ronaldo zwar einen Allzeit-Torrekord für Champions-League-Treffer auf (16), hat sich aber zuletzt mehrfach vor einem Spiel abmelden oder früh auswechseln lassen müssen – womöglich auch wegen dem Knie und nicht, wie es offiziell heißt, wegen Oberschenkelproblemen. „Ich werde fit sein, ich will diesen Titel“, beteuerte Ronaldo, der den Pott 2008 mit Manchester United gewann, ehe er 2009 für 94 Millionen Euro nach Madrid kam.

Reals Anhang erwartet nun den zehnten Triumph, obwohl die Saison die Profis ausgezehrt hat. Mit nur zwei Punkten aus den drei Spielen nach dem 4:0-Triumph bei Bayern München wurde die Liga quasi abgeschenkt. Und im Champions-League-Finale drohen Personalprobleme umso schwerer ins Gewicht zu fallen, als schon Xabi Alonso, das Gehirn der Elf, wegen Gelbsperre fehlt.

Zwar geht es nur noch um ein finales Spiel – wenn nicht danach noch eine WM käme. Ob und in welchem Zustand man Ronaldo, Costa und die anderen in Brasilien sehen wird, muss angesichts ihrer Krankenakte noch als offen gelten. Marijana Kovacevic hingegen wird auf jeden Fall dabei sein. Deutschlands Gruppengegner Ghana hat sich die Dienste der Wunderheilerin bereits gesichert.