Leichtathletik

Harting fehlt im Diskusring noch die Explosivität

Der Berliner ist trotz seiner 68,28 Meter nicht zufrieden

Robert Harting wirkte ratlos. War er nun zweiter Sieger oder doch erster Verlierer? Beim letzten Versuch rutschte der Diskus-Olympiasieger aus, wie ein Maikäfer zappelte er rücklings liegend im Betonring, rappelte sich aber schnell wieder auf und schaute der Scheibe hinterher. Sein sechster Wurf ging weit hinaus – war aber wie zuvor drei andere ungültig. „Und bei den zwei hibbeligen Versuchen, die gültig waren, ist mir der Arsch auf Grundeis gegangen“, sagte der Star der 40. Halleschen Werfertage in seiner typisch drastischen Art.

Am Ende des Tages war „der Harting“ aber ein guter Verlierer: Starke 68,28 Meter, Zweiter hinter seinem polnischen Dauerrivalen Piotr Malachowski, der den Diskus einen Meter weiter schleuderte: 69,28 Meter – Jahresweltbestleistung. Hartings Erklärungsversuche nach dem hochkarätigen Wettkampf mit acht Männern über 65 Meter klangen wie Jammern auf hohem Niveau. Allerdings: Der Berliner war in Halle nicht topfit und mit seinen Gedanken schon drei Tage voraus: Am Dienstag muss der Student der Wirtschafts- und Medienkommunikation bei den Bachelorprüfungen durch ein ganz anderes Examen.

„Bei diesen super-geilen Bedingungen war heute mehr drin“, gestand der Weltmeister. Aber? „Ich war zu langsam. Um 70 Meter zu werfen, braucht man Feuer, da muss der Kessel richtig brennen“, meinte der 29-Jährige, der körperliche Probleme zugab: „Ich war getapet von oben bis unten.“ Zwei Tage vor dem Wettkampf in der Saalestadt wollte er sogar im Bett liegen bleiben, am Freitag ließ er das Training aus. Und am Wettkampftag hat er noch beim Frühstück überlegt, ob er überhaupt in den Ring steigt. Doch ein Harting gibt nicht so schnell auf. Er war es auch den treuen Fans schuldig.

Auch Hartings neuer Trainer, der frühere Diskuswerfer Torsten Schmidt, war in Halle/Saale dabei. Rund ein halbes Jahr arbeitet das Duo nun zusammen. „Es wird kleinere Anpassungen geben, da sind wir am Ball“, erklärte der Neubrandenburger, der selbst bei Harting noch Potenzial sieht. „Roberts Technik ist noch nicht ausgereift und auch noch nicht ausgereizt“, erklärte Schmidt. Und dass man auch im Alter noch Leistung bringen kann, zeige das Beispiel von Virgilijus Alekna: „Der hat mit 40 Jahren noch über 70 Meter geworfen.“