Fußball

Lasogga rettet den HSV

Hamburg hält mit einem glücklichen Remis die Bundesliga. Handgemenge mit dem Torjäger nach dem Schlusspfiff

Der historische Absturz ist abgewendet, die Bundesliga-Uhr des Hamburger SV tickt auch nach 50 Jahren und 267 Tagen weiter: Am Ende einer desaströsen Spielzeit verhinderten die Hanseaten durch ein hart erkämpftes 1:1 (1:0) im Relegations-Rückspiel bei der SpVgg Greuther Fürth den ersten Bundesliga-Abstieg und gehen im Sommer in ihre 52. Saison im Fußball-Oberhaus. Das Hinspiel am Donnerstag war 0:0 ausgegangen, am Ende entschied die Auswärtstor-Regel für den Erstligisten.

Die im zweiten Durchgang starken Franken verpassten derweil den direkten Wiederaufstieg und die Möglichkeit, erstmals in der Vereinsgeschichte eine Liga höher als der just abgestiegene Erzrivale 1. FC Nürnberg zu spielen.

„Wir sind überglücklich. Das war eine schwere Geburt“, sagte HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer in der ARD: „Manche sagen, es war peinlich, dass wir mit 27 Punkten die Relegation spielen durften. Aber das ist mir egal.“ HSV-Verteidiger Heiko Westermann sagte: „Die Saison war brutal anstrengend. Mich freut es für die Fans und den Verein. Wir haben wahnsinniges Glück gehabt, dass wir in der Liga geblieben sind. Ich kann so eine Saison nicht noch mal mitmachen, dann wäre ich selbstmordgefährdet.“

Fürstner trifft für Fürth

Stürmer Pierre-Michel Lasogga sorgte mit der Führung (14.) zunächst für kollektive Erleichterung bei den 1800 mitgereisten Hamburger Fans, den 15.000 Anhängern beim Public Viewing in der Hamburger Arena und Trainer Mirko Slomka. Stephan Fürstner hielt die Aufstiegshoffnungen der Fürther mit dem Ausgleich am Leben (59.), letztlich jedoch vergeblich.

Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen ließen die Spieler des HSV vor 17.500 Zuschauern in Fürth den Kampfansagen endlich Taten folgen. Zweikampfstark und mit hoher Laufbereitschaft – mit den langjährigen Nationalspielern Marcell Jansen und Heiko Westermann in der Startelf kamen die chronisch auswärtsschwachen Gäste energisch aus der Kabine und belohnten sich früh. Nach einer Ecke von Kapitän Rafael van der Vaart stieg der im Abstiegskampf lange schmerzlich vermisste Lasogga am höchsten und köpfte wuchtig ein. Unmittelbar vor der Standardsituation war Hakan Calhanoglu bei einer Doppelchance am Pfosten gescheitert, den Nachschuss des agilen Jansen parierte Fürths Schlussmann Wolfgang Hesl.

Auch nach dem ersten Treffer gab Hamburg über weite Phasen des ersten Durchgangs die Spielkontrolle nicht ab und hätte durch Lasogga, der aus 16 Metern zu unplatziert abschloss, höher führen können (35.). Fürth blieb dagegen lange Zeit unter den eigenen Möglichkeiten. Erst ein leicht verzogener Schuss von Angreifer Ilir Azemi (40.) sorgte für Gefahr vor dem Tor von Jaroslav Drobny, der erneut den an der Bandscheibe verletzten Nationalkeeper René Adler vertrat.

Zur Pause schien der HSV nicht nur den Gegner, sondern auch das zurückhaltende Fürther Publikum im Griff zu haben. Fürths Sportdirektor Rouven Schröder forderte bei Sky: „Es liegt auch in unserer Hand, dass die Zuschauer den Schalter nochmal umlegen. Ich will jetzt Mut, Leidenschaft und Vollgas sehen.“

Nach einer Viertelstunde Leerlauf im zweiten Durchgang, in der Hesl das Kleeblatt mit einem starken Reflex nach einem Lasogga-Kopfball aus kurzer Distanz im Rennen hielt (52.), schaltete das Team von Trainer Frank Kramer hoch. Zoltan Stieber steckte stark auf Fürstner durch, der mit seinem Tor eine hitzige Schlussphase einleitete.

Nach dem Schlußpfiff freute sich Lasogga demonstrativ vor der Fürther Bank. Daraufhin stürzten mehrere Fürther Spieler auf den Stürmer zu, es gab ein kurzes Handgemenge. „Mein Gott, wenn man 90 Minuten von der Bank beleidigt wird, dann war mir in dem Moment alles scheißegal. Das war ein Psychospiel über 90 Minuten“, erklärte Lasogga seinen Gefühlsausbruch. Die Leihgabe von Hertha BSC betonte jedoch, dass er keine abfällige Gesten gegenüber dem Gegner gemacht habe.

Slomka lobt Torwart Drobny

„Wir haben das Glück aufgebraucht. Davon können wir in der nächsten Saison nichts mehr benutzen“, meinte HSV-Trainer Mirko Slomka. Er spüre „ganz, ganz viel“ Demut. Slomka stellte die erneut starke Leistung seines Torwartes heraus. „Jaroslav Dronby hat in beiden Spielen herausragend gehalten.“ Fürths Trainer Frank Kramer: „Das tut jetzt echt weh. Wir haben zwei mal Klasseleistungen abgeliefert. Aber das Auswärtstor hat das gegen uns entschieden.“

Lasogga sagte: „Es ist eine absolute Genugtuung, dass wir in der Liga geblieben sind.“ Für den Stürmer beginnt nun die Zukunftsplanung. Lasogga hat bis 2015 Vertrag bei Hertha. Die Berliner wollen, dass der Publikumsliebling verängert. Lasogga hat erklärt, er werde sich nach der Relegation entscheiden.

Gestern Nacht sorgte der Stürmer unfreiwillig für eine Änderung des Partyplans. Der HSV-Flieger aus Nürnberg konnte wegen des Nachtflugverbotes nicht mehr in Hamburg landen, wurde nach Bremen umgeleitet. Das Team hatte auf Lasogga gewartet, der bei der Dopingprobe aber lange nicht konnte ...