Fußball

Torlinientechnik: Klubs lehnten aus Kostengründen ab

Erster Einsatz bei der WM-Endrunde in Brasilien

Das vermeintliche Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale hat die Diskussionen um die Einführung der Torlinientechnik wieder ausgelöst. Die Morgenpost beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Warum gibt es in Deutschland keine technischen Hilfsmittel?

Am 24. März dieses Jahres hatten die 36 Profiklubs bei einer Versammlung in Frankfurt/Main die Einführung der Torlinientechnik mehrheitlich abgelehnt. Nur neun Erstligisten und drei Zweitligisten waren für die Einführung von technischen Hilfsmitteln, womit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit klar verfehlt worden war.

Wie hatten Borussia Dortmund und der FC Bayern München damals abgestimmt?

Beide Klubs waren für die Einführung.

Warum war das Votum so eindeutig?

Die hohen Kosten hatten vor allem die finanzschwächeren Klubs abgeschreckt. Zwischen 250.000 und 500.000 Euro wären für einen Zeitraum von drei Jahren je nach System fällig gewesen.

Wäre bei einer anderen Entscheidung die strittige Szene aufgelöst worden?

Nein. Die Einführung der Technik war für den Sommer 2015 geplant gewesen. Fraglich ist auch, wie der DFB mit dem Thema für den Pokalwettbewerb umgegangen wäre. Gerade für die Amateurklubs wären die Kosten für die Installation zu hoch. Der DFB hatte bereits ausgeschlossen, dass die Technik in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Einsatz kommen würde.

Ist die Torlinientechnik in Deutschland endgültig vom Tisch?

Für die „nahe Zukunft“ werde das Thema nicht auf die Tagesordnung kommen, hatte Ligapräsident Reinhard Rauball im März gesagt. Aber ausgeschlossen sei nicht, dass günstigere Angebote oder Fehlentscheidungen für ein Umdenken sorgen werden.

Welche Techniken gibt es und wie wird in anderen europäischen Topligen oder bei Fußball-Großereignissen verfahren?

Bei der WM in Brasilien kommt erstmals die Torlinientechnik zum Einsatz, nachdem das System GoalControl seinen Testlauf beim Confederations Cup 2013 erfolgreich bestanden hatte. 14 Kameras sind auf beide Tore gerichtet. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter. Die Uefa setzt bei der EM und im Europapokal auf Torrichter. Uneinheitlich ist auch das Bild in den großen Ligen. In der englischen Premier League kommt das System Hawk-Eye seit dieser Saison zum Einsatz und funktioniert reibungslos. Sieben auf jedes Tor gerichtete Kameras registrieren die Position des Balles zentimetergenau. Einen Torerfolg meldet das System in nur einer Sekunde an den Schiedsrichter. Spanien will dem Beispiel Englands folgen, befindet sich aber noch in der Testphase. Italien und Frankreich setzen wie die Uefa auf zwei Unparteiische an den Torauslinien. Die DFL hatte Torrichter kategorisch abgelehnt.