Fußball

Die Bayern müssen nur mal kurz die Saison retten

Ohne Pokalsieg wäre der Meistertitel für die Münchener fast nichts mehr wert

Der Berliner Sänger Tim Bendzko hat mit seinem Hit „Nur noch kurz die Welt retten“ den Durchbruch geschafft. Und so absurd es nach all den Rekorden und vielen Glanzleistungen in der Bundesliga klingen mag: Für die Bayern fühlt es sich nach dem 0:4 im zweiten Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid so an, als hätten sie im Pokalfinale gegen Dortmund einen ähnlichen Auftrag. Wir müssen noch mal eben die Saison retten.

„Aktuell liegt ein kleiner Schatten über der Spielzeit“, sagt Nationalspieler Thomas Müller. „Wir müssen jetzt also schauen, dass da wieder etwas mehr Sonne durchkommt. Es ist ein Spiel, das schon über das Gesamtfazit dieser Saison entscheidet. Ein gewisser Druck ist da.“ Und Sportvorstand Matthias Sammer betont, es gelte, aus einer guten eine sehr gute Saison zu machen. Wie viel das Wort „gut“ in München wert ist, weiß jeder. Sehr wenig. Das Double sollte es schon bitte sein. Der Rathaus-Balkon ist bereits für Sonntagnachmittag reserviert. Die Erwartungen sind nach dem Triple aus der Vorsaison enorm. „Pep, die Meisterschaft ist auch schon gut. Lass Dir das nicht schlechtreden“, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp zu Guardiola bei der Pressekonferenz. Guardiola lächelt müde über den durchsichtigen Versuch des Gegners, sich verbal schon den Pokal zu sichern.

Sammer fordert von seiner Mannschaft im Vergleich zu den Vorwochen eine deutliche Leistungssteigerung. „Ich erwarte, dass eine Gruppe auf dem Spielfeld steht, in der jeder einzelne sagt: ,Ich sterbe für meinen Mitspieler’“, so Sammer. Große Worte vor einem großen Tag, die vor allem die Rivalität zwischen den beiden Klubs ausdrücken. Es treffen die Vereine aufeinander, die vor 357 Tagen das Finale der Champions League ausspielten und seit fünf Jahren die Meisterschaft unter sich ausmachen. Der eine Block der Nationalelf gegen den anderen – und das knapp vier Wochen vor der WM. Die Dortmunder haben ihren Spielern für den Fall des Sieges angeblich eine Prämie in Höhe von 100.000 Euro pro Profi in Aussicht gestellt.

Bundestrainer Joachim Löw freut sich auf ein „großes Finale“. „Es ist mit dem spanischen Clasico vergleichbar“, sagt Guardiola gar. Und Müller bringt die Bedeutung des Finals auf den Punkt: „Es geht auch um die Vorherrschaft in Deutschland.“ Nach einigen Wortgefechten ist der Umgang zwischen den Bossen der Klubs seit einigen Wochen so warmherzig wie der zwischen einem Zollbeamten und einem gerade überführten Schmuggler. Und auch wenn das 3:0 der Dortmunder in der Bundesliga-Rückrunde bei den Bayern keine entscheidenden Auswirkungen auf die Meisterschaft hatte, ärgert es die Münchner noch. Und das Pokalfinale von 2012 (5:2) ist sowieso unvergessen. Bayern gegen Dortmund, das ist auch immer eine Sache des Stolzes.

Münchens Nationalverteidiger Jerome Boateng sagte: „Wir wollen zeigen, dass das Rückspiel ein Ausrutscher war. Es wird nicht einfach, die Dortmunder machen uns das Leben immer schwer. Ich bin aber sicher: Wenn wir unser Niveau erreichen, werden wir das Finale gewinnen.“

Auf Bastian Schweinsteiger muss seine Mannschaft allerdings verzichten. Der Mittelfeldprofi fällt mit einer Knieverletzung aus und ist heute im Berliner Olympiastadion zum Zuschauen verdammt.