Fußball

Letzte Etappe im gelben Trikot

Lewandowski will sich mit dem Pott vom BVB verabschieden. Mandzukic flieht schon vor ihm

Vor allem über Schuhe musste Jürgen Klopp reden. Über benutzte Stollenschuhe als Glücksbringer für das DFB-Pokalfinale am Sonnabend im Olympiastadion gegen den FC Bayern (20 Uhr, ARD). Beim sensationellen 5:2 über den Rekordmeister vor zwei Jahren hatte Pokalheld Norbert Dickel seine zertretenen Töppen vom bis dato letzten Cup-Sieg der Dortmunder 1989 dem Trainer für die Fahrt nach Berlin in die Hand gedrückt. „Nein, wir haben dieses Mal keine besonderen Schuhe dabei“, wehrte Klopp also mit einem Grinsen sämtliche Nachfragen ab. „Obwohl, vielleicht hat Lewa ja seine Treter von vor zwei Jahren mitgenommen.“ Drei Tore hat Robert Lewandowski damals im Finale gegen die Münchener geschossen. Nun spielt er zum letzten Mal im Trikot der Borussen. Gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber. Noch einmal in Schwarz-Gelb. Künftig in Rot. Zum Duell mit Bayern-Torjäger Mario Mandzukic wird es aber nicht kommen.

Musterprofi in Schwarz-Gelb

Gemessen am Hype um Lewandowski und das Wechseltheater im vergangenen Jahr, ist die Ruhe, die der Pole ausstrahlt erstaunlich. Statt beleidigt auf das Wechselverbot der Dortmunder vom letzten Sommer zu reagieren, lieferte der Angreifer eine starke letzte Saison ab und holte sich mit 20 Toren sogar die Torjägerkanone für den besten Schützen der Bundesliga. Druck und öffentliches Interesse scheinen einfach an ihm abzuperlen. Auch vor dem Finale von Berlin. „Von allen Fußballern auf der Welt wird Robert damit am gelassensten umgehen“, sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Für sein Entreé beim FC Bayern ist es auch viel besser, wenn er als Pokalsieger kommt.“ Sorgen, dass sich Lewandowski von seinem neuen Verein ablenken lassen könnte, gibt es nicht. Der Pole sagte brav in jedes Mikrofon Sätze, die aus dem Wunschkatalog eines jeden Managers entstammen könnten: „Mich interessiert mein neuer Arbeitgeber im Moment überhaupt nicht. Ich möchte einen krönenden Abschluss – am liebsten mit dem Pokal in der Hand. Wir werden hier in Berlin ein Feuerwerk abbrennen.“

Wie groß der Hype um den Polen ist, bekamen alle zu spüren, als er am Abend vor dem Abflug nach Berlin das eigentlich geheime Training der Borussen vorzeitig beendete und mit einer getapten Wade, ein schmerzhaftes Andenken vom letzten Ligaspiel gegen Hertha, den Platz verließ. „Es ist alles gut. Ich kann spielen“ sagte er ruhig und entspannt bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Tegel. Auch sein Trainer Jürgen Klopp hat keinen Zweifel an einem Einsatz. „Er hat viel individuell trainiert und wir waren sehr vorsichtig. Aber er wird beim Abschlusstraining normal dabei sein. Und wenn es keine Komplikationen gibt, auch auflaufen.“

Die Dortmunder wurden verwundert angesehen, als sie sich im vergangenen Jahr dazu entschieden, Lewandowski keine Freigabe für Bayern zu geben und ihn dazu verdonnerten, seinen Vertrag bis Sommer 2014 bei den Schwarz-Gelben zu erfüllen. Doch der Klub behielt Recht. Zum einen stärkten sie den nationalen Konkurrenten nicht vorzeitig und konnten sich zudem in Ruhe nach einem Nachfolger umschauen. Außerdem profitierten sie von der mustergültigen Einstellung des Polen zu seinem Beruf: „Trainingsfleiß, Ehrgeiz und Eigenmotivation sind bei ihm absolut außergewöhnlich. Lewi ist ein Paradebeispiel“, sagte Klopp. Auch ein Grund, warum ihn die Dortmunder Fans im Gegensatz zu Mario Götze im Vorjahr trotz des Wechsels zum Rivalen nach München feiern.

Guardiola von Kroaten genervt

Verzichten muss der Angreifer in Berlin allerdings auf das direkte Duell mit seinem Ligakonkurrenten Mario Mandzukic. Der Kroate ist gar nicht erst mit den Bayern nach Berlin geflogen, nachdem ihn Trainer Pep Guardiola nicht in den Kader für das Finale berufen hat. Erläutern wollte der Katalane die Entscheidung allerdings nicht: „Das ist meine Entscheidung. Montag und Dienstag konnte er nicht trainieren. Doch er ist sehr stark und gesund. Aber es ist meine Entscheidung.“ Dem Gesicht des Meistertrainers war allerdings die Genervtheit von dieser Personalie zu entnehmen. Er wirkte sehr angefasst. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, vorherzusagen, dass der 27-jährige Stürmer kein weiteres Spiel für die Bayern mehr machen wird. Dem Vernehmen nach soll er schon in seine kroatische Heimat geflogen sein. Lewandowski wird ihn in München verdrängen, ohne mit ihm im Training um einen Platz in der Startelf jemals kämpfen zu müssen.

Den Noch-Dortmunder dürften die Scharmützel bei seinem zukünftigen Klub egal sein. Er will den Pokal holen und ihn in den Berliner Nachthimmel recken. Und vielleicht hat er ja wirklich dafür seine Schuhe vom letzten Triumph als Glücksbringer dabei.