Basketball

Nur keine Zweifel

Nach der Heimniederlage hat Alba heute in Ulm den nächsten Matchball zum Halbfinaleinzug

Ein vergebener Matchball im Tennis hat verhältnismäßig überschaubare Konsequenzen. Einer wie Rafael Nadal holt sich sein Handtuch, zupft am Trikot, der Hose und am Ohr, schlägt ein Ass oder einen Return die Linie runter und der Schaden ist behoben. Der Matchball, den Alba im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft gegen Ulm vergab, hat viel weitreichende Folgen. Schon am Freitag traten Mannschaft, Trainer und der restliche Stab die ungeliebte Reise ins Schwäbische an, erst mit dem Flugzeug nach Stuttgart, dann weiter mit dem Bus, um dort an diesem Sonnabend (19 Uhr), den erforderlichen dritten Sieg in der Serie (Best of five) zu erringen und ins Halbfinale einzuziehen.

Das 64:71 in diesem dritten Viertelfinalspiel war erst die zweite Heimniederlage dieser Saison, 27 Mal waren die Gäste zuvor als Verlierer abgereist. Marco Baldi fand es „schade, die Bastion gerade in diesem Moment aufgegeben“ zu haben. In der Serie mit 2:0 Siegen in Führung gelegen zu haben, habe sein Team „keineswegs unterstützt“, erklärte Albas Geschäftsführer. „Vielmehr haben wir gespielt, als lägen wir mit 0:2 zurück, die Mannschaft war eher gehemmt.“

Höchst verhängnisvoll wäre, finge die Mannschaft an, jetzt an sich zu zweifeln. Diese Gefahr sieht Baldi aber nicht. Die Niederlage, die übrigens eine erneute Serie von 14 Siegen in Folge beendete, ist für ihn „kein Drama“. Er weiß aber auch: „Natürlich wird es jetzt schwerer.“

Die anderen Paarungen, in denen die topgesetzten Teams ebenfalls bereits verloren, zeigten, Play-off-Spiele seien „Schlachten“. Meister Bamberg steht gegen Quakenbrück sogar vor dem Aus (Stand 1:2), die Bayern verloren in Ludwigsburg (Stand 2:1), Oldenburg schlug Bonn erst nach Verlängerung (Stand 2:1). Mit Blick auf die Serien von einmal 17 und einmal 14 Siegen in Folge sowie den Pokalsieg, sagt Baldi, seine Mannschaft habe schon mehrfach bewiesen, dass sie da war, als es um etwas ging: „Wir haben noch zwei Matchbälle, jetzt allerdings unter allerhöchstem Druck.“ Denn die Ulmer hätten auch einmal mehr ihre Qualität bewiesen „und jetzt zusätzliche Luft bekommen. Das Erlebnis, uns zu schlagen, hatten sie in dieser Saison noch nicht.“

Auch Coach Sasa Obradovic zollte der Leistung der Ulmer Respekt, fand aber, sein Team habe sich „selbst geschlagen, zu sehr unter Druck gesetzt und reihenweise offene Würfe nicht getroffen“. Und vor allem diejenigen seiner Spieler, die normalerweise Spiele gewinnen. David Logan traf nur einen von zwölf Würfen, Cliff Hammonds und Jan-Hendrik Jagla jeweils einen von neun. Zum leichteren Verständnis: Das sind 30 Ballbesitze mit einer Ausbeute von sechs Punkten. Eine unterirdische Quote. Da macht eine Niederlage mit „nur“ sieben Punkte schon fast Mut. Denn ein solches kollektives „Daneben-Werfen“ ist in zwei Spielen hintereinander eher unwahrscheinlich.

Ob Albas Team heute den zweiten Matchball nutzt und sich ein alles entscheidendes Spiel am Mittwoch in Berlin erspart, wird aber eher auf der anderen Seite des Spielfeldes entschieden. Einige freie Bälle seien bei der Niederlage am Donnerstag anfangs bei Ulm gelandet, erklärt Baldi: „Das kann nicht sein, das ist eigentlich unsere Stärke“.

Wie sich ein Ass Nadals auf das Spiel in Ulm übertragen ließe, weiß Albas Geschäftsführer auch: „Wir dürfen keinesfalls wie in Spiel zwei 89 Ulmer Punkte zulassen.“ Noch einmal wie am Dienstag auf eigene 90 Punkte zu hoffen, wäre sicherlich der falsche Ansatz.