Fußball

In Hamburg geht schon einmal die Bundesliga-Uhr aus

HSV glaubt an Klassenerhalt, Gründe hat er dafür aber nicht

Die Bundesliga-Zeit des HSV war schon nach dem ersten Relegationsspiel abgelaufen. Gut eine Stunde nach dem 0:0 gegen Zweitligist Greuther Fürth am Donnerstagabend blieb die digitale Bundesliga-Uhr im Stadion des „ewigen Fußball-Erstligisten“ stehen. Was zunächst nach einem höheren Zeichen aussah, stellte sich am nächsten Tag als Versehen heraus. Die Stadiontechniker hatten vergessen, an diesem Abend die Zeitschaltuhr, die die Stromversorgung bis zum Morgen unterbricht, auszuschalten.

Ob nun mit oder ohne Uhr: Der HSV steht nach dem enttäuschenden Auftritt gegen die gut organisierten Franken mit den Schuhspitzen am Abgrund. „Es ist noch nix passiert“, protestierte Stürmer Pierre-Michel Lasogga, der äußerst blass blieb. „Wir sind voller Überzeugung, dass wir das Ding in Fürth ziehen.“

Bisher hatten die Hamburger in der schlechtesten ihrer 51 Bundesliga-Serien Glück. Ob ihnen das im Relegationsrückspiel am Sonntag in Fürth (17 Uhr) erneut hold ist, scheint fraglich. Die abwehr- und konterstarken Franken, gehüllt in die aggressive Signalfarbe Orange, waren die bessere Mannschaft. Deren Top-Torjäger Ilir Azemi, an dem der HSV Interesse hat, fällte nach dem 90-minütigen Studium des nur vom Namen her mächtigen Rivalen ein deutliches Urteil: „Ich bin überzeugt, dass wir aufsteigen.“

Beim HSV ist jedoch Zuversicht Pflicht. „Wir haben in der Bundesliga auswärts eigentlich immer getroffen. Warum sollten wir nicht in Fürth treffen?“, entgegnete Trainer Mirko Slomka trotzig. Der 46 Jahre alte Coach ist darauf bedacht, bloß keine Zweifel in seinem Team aufkommen zu lassen. „Die Stimmung ist sehr kämpferisch“, berichtete Slomka über die Atmosphäre in der Kabine und schaute dabei in ungläubige Gesichter.

Den Optimismus kann Uli Stein nicht teilen. „Beim HSV gibt es keine Führungsspieler. Die sprechen nicht miteinander. Das ist eine leblose Mannschaft“, polterte der frühere Hamburger Torwart. „Das einzig Positive ist das Ergebnis.“ Stein attestierte Fürth einen überlegenen Teamgeist. „Die hatten Spaß am Spiel, der HSV nicht.“ Am meisten habe ihn erschrocken, „dass der Zweitligist mehr Kondition hatte als der Erstligist“.

Einige Hamburger Profis scheinen ihre klangvolleren Namen und Nationalmannschaftsbilanzen als Garant für den Klassenerhalt anzusehen. Als Grund für die angebliche Überlegenheit des Bundesligisten nannte Lasogga „unsere Klasse: Ich glaube, dass wir auf jeder Position besser besetzt sind“. Wenn er sich da nicht täuscht. Auch Kapitän Rafael van der Vaart legt sich fest: „So ein schöner Verein gehört einfach in die Bundesliga.“