Handball

Die nackte Kanone kehrt zurück

Rückraumstar Igropulo soll die Füchse wieder zum Pokalsieg führen

Mit großem Interesse verfolgte Konstantin Igropulo die Entstehung des neuen Pokals. Aus 15 Kilo Bronze besteht die Handball-Trophäe, die beim ersten Final Four um den EHF-Cup am Wochenende in der Schmeling-Halle vergeben wird. Und nur allzu gern würde Igropulo, Rückraumstar der Füchse, den Cup Sonntag vor heimischer Kulisse in die Höhe stemmen. Voraussetzung dafür ist, dass die Berliner ihr Halbfinale am Sonnabend gegen den ungarischen Meister Pick Szeged (14.35 Uhr) gewinnen, im zweiten Semifinale stehen sich HCM Constanta und Montpellier HB (17.15 Uhr) gegenüber. Erfüllt sich für Igropulo der Traum, wird er jedoch nicht wie zuletzt beim Pokalsieg in der Kabine blank ziehen können, „denn die EHF-Trophäe ist durchsichtig und zu schmal“, sagt er und lacht, „dann denke ich mir eben etwas anderes aus.“

Sein Kabinen-Foto nach dem Titelgewinn Mitte April in Hamburg ging um die Welt, selbst die brasilianische Zeitung „O Globo“ würdigte das gewagte Bild. Und Ehefrau Marina, im sechsten Monat schwanger, war mächtig stolz auf ihren Champion. Mit neun Toren hatte Igropulo im Endspiel gegen Flensburg den Weg zum ersten Titel der Vereinsgeschichte geebnet, wurde zudem als bester Torschütze des Turniers gekürt. „Er ist einer unserer wichtigsten Spieler und eine große Persönlichkeit im Team“, weiß Trainer Dagur Sigurdson und hofft, dass „Tino“ auch an diesem Wochenende wieder seine Klasse zeigt. Der Russe mit griechischen Wurzeln jedenfalls lässt keinen Zweifel an seinem Vorhaben. „Wir wollen diesen Titel um jeden Preis.“

Wie es sich als europäischer Champion anfühlt, weiß der Linkshänder. Mit Tschechow gewann er einst den EHF-Cup, mit dem FC Barcelona holte er gar die Champions League. Von dort aus wechselte Igropulo im Sommer 2012 zu den Füchsen, wo er sich mehr und mehr zur tragenden Säule des Berliner Spiels entwickelte, so manche Partie entschied er mit seinen wuchtigen Würfen fast im Alleingang. Jetzt teilt sich der 29-Jährige mit Talent Fabian Wiede, 20, die Position im halbrechten Rückraum. „‚Tino’ ist eine Bombe“, sagt Kapitän Iker Romero.

Das findet auch seine Ehefrau, obwohl nicht ganz klar ist, wer eigentlich der größere Star in der Familie ist, immerhin ist Marina Igropulo in Russland eine Gesangsgröße. „Für mich ist das ganz klar meine Frau, Marina ist mein Superstar“, schwärmt Igropulo, der beim Thema Familie ganz weich wird. Seit dem Tod seines Vaters im Oktober 2012 telefoniert er täglich mit seiner Mutter in Stawropol. Und seine Familienplanung hat der sanfte Riese clever eingefädelt, Ende Juli wird er Vater einer Tochter. Da ist Handball-Pause. Dann will er seine neue Rolle genießen. Am liebsten als EHF-Cup-Sieger.