Saisonende

Braunschweig zwischen Trauer und viel Stolz

Fans bejubeln ihre Mannschaft trotz des Bundesliga-Abstiegs

So ist in der langen Geschichte der Fußball-Bundesliga wohl noch nie ein Absteiger gefeiert worden. Selbst bei der Rückkehr nach Braunschweig kurz nach Mitternacht wurden die Eintracht-Spieler nach dem 1:3 (0:1) bei 1899 Hoffenheim noch von rund 300 Fans bejubelt und auf eine kleine Bühne gebeten. Schon in Sinsheim waren die Absteiger von 7000 Fans wie Aufsteiger lautstark unterstützt worden. Ein kleines Mädchen kam sogar auf den Rasen geklettert und überreichte den Spielern und Torsten Lieberknecht blau-gelb gefärbte Rosen. „Wir haben in den letzten Jahren viele unglaubliche Momente gefeiert und müssen heute leider gemeinsam trauern“, sagte Braunschweigs Trainer: „Diese Unterstützung nehmen wir mit in die neue Saison.“

Minutenlang dauerten diese so gar nicht zum enttäuschenden Ergebnis passenden Szenen an. Karim Bellarabi gestand später, „eine Gänsehaut gehabt“ zu haben. Ein letztes Mal zeigte dieser Verein noch einmal jenen Sportsgeist und jene Leidenschaft, mit der er in der Liga mehr Eindruck hinterlassen hat als mit den Leistungen auf dem Platz. Auch im Abstieg verhielt sich die Eintracht anders als andere Klubs. Konsequenzen wird es nicht geben. Statt einer möglichen Analyse war am Sonntag frei.

Die Eintracht hat es am Ende immerhin geschafft, dass kaum jemand in der Liga mehr sagte: Was wollen die hier? Sondern eher: Schade, dass sie nach nur einem Jahr schon wieder weg sind. „Uns war klar: Wir müssen jedes Mal an die Leistungsgrenze kommen, wenn wir in dieser Liga bestehen wollen“, sagte Lieberknecht. Was nicht durchgängig gelang. Das Gerüst des neuen Teams steht schon jetzt und unterscheidet sich auch nicht großartig vom alten. Spieler wie Mirko Boland und Orhan Ademi haben ihre Verträge verlängert. Aus der Stammelf droht nach dem Abschied von Bellarabi und Torwart Daniel Davari höchstens noch der Weggang von Torjäger Domi Kumbela, der nach dem Abstieg ablösefrei gehen kann, und Ermin Bicakcic, der nun mit Bosnien bei der WM noch einmal auf sich aufmerksam machen kann.

Boland sagte später: „Als ich vor der Kurve stand, dachte ich, mit meiner Vertragsverlängerung alles richtig gemacht zu haben.“ Allein aufgrund der Fans „müssen wir jetzt alles versuchen, um die Eintracht wieder dahin zu bringen, wo sie hingehört.“ Bis zur nächsten Rückkehr in die Bundesliga soll es nicht wieder 28 Jahre dauern.