Leichtathletik

Berliner Jakubczyk ist jetzt der zweitschnellste deutsche Läufer

SCC-er erreicht über 100 Meter in Florida 10,06 Sekunden

Auf diesen „Schreck“ brauchte Lucas Jakubczyk erst einmal ein Bad. „Ich geh’ mich jetzt im Pool abkühlen“, schrieb der Berliner Sprinter auf seiner Facebook-Seite. Kurz zuvor hatte der Mann vom SC Charlottenburg einen Lauf erwischt, von dem er immer geträumt hatte. Ein guter Start, mit Rückenwind flog er am Sonnabend förmlich über die Bahn in Clermont im US-Bundesstaat Florida. In 10,07 Sekunden wurde er gestoppt. Der 29-Jährige dürfte selbst ziemlich verwundert auf die Anzeigetafel geschaut haben. Nur um eine Hundertstel verpasste er die deutsche Bestmarke des Magdeburgers Frank Emmelmann.

Fast 29 Jahre ist es jetzt her, dass Emmelmann am 22. September 1985 in 10,06 Sekunden ins Ziel kam. Damals herrschten optimale Windbedingungen – 1,9 Meter pro Sekunde Schub hatte Emmelmann. Bei Jakubczyk waren es 1,5 m/Sek., die ihm halfen. Das Limit für offiziell gewertete Bestleistungen liegt bei 2,0 m/Sek. „Endlich habe ich mal Glück mit dem Wind gehabt“, freute sich der Berliner. Die Bestleistung des Deutschen Meisters von 2012 über die Sprintstrecke lag bisher bei 10,20 Sekunden. Der schnellste Berliner aller Zeiten ist er nun auch: Bisher hielt diesen inoffiziellen Rekord Sven Matthes, der am 22. Juni 1989 mit einer Windunterstützung von 1,8 m/Sek. 10,11 Sekunden gelaufen war.

„Ich habe eine persönliche Bestleistung aufgestellt und bin jetzt Nummer eins in der europäischen Bestenliste“, schrieb Jacubczyk, der in Berlin von Rainer Pottel trainiert wird. „Zürich kann also kommen...“, blickte der aus Plauen stammende Jakubczyk gleich auf den Höhepunkt in diesem Jahr. Vom 12. bis 17. August findet in der Schweiz die Europameisterschaft statt.

Ohne die Leistung des schnellen Berliners schmälern zu wollen, muss natürlich auch angemerkt werden, dass die Bahn im Trainingszentrum des US-Leichtathletik-Verbandes als besonders vom Wind begünstigt gilt. So erzielte der Leipziger Martin Keller vor etwa einem Jahr hier eine Zeit von 9,99 Sekunden. Allerdings lag seine Schubhilfe von 3,7 m/Sek. weit über dem Erlaubten. Doch Jakubczyks Zeit hat jetzt Bestand.

Erst seit zweieinhalb konzentriert er sich voll und ganz auf den Sprint, nachdem er seinen Fokus eigentlich auf dem Weitsprung (Bestweite 7,88 m) hatte. Bereut hat er diesen Umstieg noch nie.