Basketball

Aus Erfahrung gut

Warum die beiden Routiniers Jan Jagla und Sven Schultze für Alba so wichtig sind

Erst rempelten sie sich grinsend, dann umarmten sie sich freundschaftlich. 67 Jahre geballte Basketball-Routine feierten gemeinsam das 86:66 von Alba Berlin zum Play-off-Auftakt gegen Ulm. Sven Schultze, 35, und Jan-Hendrik Jagla, 32, hatten einen großen Beitrag geleistet zu diesem Erfolg, der lange infrage stand. „Doch da waren ja noch unsere Veteranen...“, wie es Albas Geschäftsführer Marco Baldi ausdrückte. Der eine, Jagla, war mit 20 Punkten und zwölf Rebounds in 23 Minuten sogar Topscorer und Mann des Abends in der Max-Schmeling-Halle. Schultze nutzte seine zwölf Minuten Einsatzzeit zu sieben Punkten, brachte Energie in wichtigen Phasen.

Das Duo zeigte, wie wichtig ihr Einsatz für die Mannschaft ist. Dabei hatten sie es in dieser Saison nicht immer einfach. „Natürlich möchte ich mehr spielen“, sagt Schultze. In 17 von bisher 35 Ligapartien kam er gar nicht zum Einsatz. „Es ist keine einfache Situation“, hat er während dieser Saison immer wieder auf die Frage geantwortet, wie er damit zurecht kommt, oft nur dabei, aber nicht mittendrin auf dem Feld zu sein. Doch er weiß auch: „Ich trage meinen Teil für den Erfolg der Mannschaft bei. Im Training hart spielen, anderen helfen.“

Welche Rolle werde ich haben? Das war auch im Sommer 2013 ein großes Thema, bevor sich Jagla entschloss, von Bayern München in seine Heimatstadt Berlin zu wechseln. Im Gespräch mit Trainer Sasa Obradovic wurde ihm auch gesagt, „dass einige junge Spieler aufgebaut werden sollen und es auch sein kann, dass ich mal nicht spiele“. Doch er hat sich durchgesetzt.

Die Einsatzzeiten des 2,13 Meter großen Jagla (im Schnitt knapp 14 Minuten) wurden immer länger. Wie zuletzt auch bei Schultze (knapp sieben), der in den vergangenen zehn Partien jedes Mal zum Einsatz kam. Obradovic weiß, was er an den beiden Oldies hat: „Mit ihrer Erfahrung sind sie sehr wichtig, wenn sie auf dem Feld sind, passiert immer etwas.“

Es gibt diesen profanen Spruch: Erfahrung kann man nicht lernen. Stimmt. Schultze hat außerhalb Berlins ebenso in acht Profiteams gespielt wie Jagla. In Italien und Griechenland (Schultze) sowie in Griechenland, Spanien, Türkei und Polen (Jagla) waren sie aktiv. Jagla hat 141-mal in der Nationalmannschaft gespielt, Schultze 121-mal.

Baldi hebt auf den Wert der beiden auch abseits des Sportlichen ab. „Von ihnen kommen auch wichtige Impulse, die man nicht während eines Spiels sieht.“ Es gibt einige junge Spieler im Team, denen sie mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Sie dürfen nicht den Kopf hängen lassen“, sagt Schultze, der schon mal auch Trost spenden muss, wenn einer herbe Kritik vom Coach hat einstecken müssen. „Ich bin hier, um der Mannschaft zu helfen“, erklärt Jagla. Das schließt alles mit ein.

Dieses Helfen untereinander, auch außerhalb des Spielfeldes, ist sicherlich ein Grund dafür, dass in der Mannschaft eine sehr gute Atmosphäre herrscht. „Es ist das erste Mal, dass ich in einem Team spiele, in dem keiner sein Ego über den Erfolg der Mannschaft stellt“, erzählt Jagla.

Er kann’s beurteilen: „Ich habe schon in einigen Diventruppen gespielt.“