Hertha BSC

Ein Neuer aus dem Notizbuch

Hertha verpflichtet Leverkusens Hegeler und setzt seine bewährte Transferpolitik fort

Wenn man gewollt hätte, dann hätte man Jos Luhukays Worte missverstehen können. Als kleinen Seitenhieb zum Beispiel, oder als Beine-Machen. Denn als Herthas Trainer am Donnerstag über seinen Kader der Zukunft sprach, beugte er sich zur Seite, wo Manager Michael Preetz saß, und sagte: „Ich spreche tagtäglich mit Michael über die Mannschaft. Und ich hoffe immer, dass er eine gute Nachricht für mich hat und ich einen neuen Spieler bekomme.“

Über eine Million Euro Ablöse

Eine finale Nachricht konnte Preetz seinem Trainer schon am Donnerstagabend präsentieren: Hertha hat Jens Hegeler von Bayer Leverkusen verpflichtet. Das Fachmagazin „Kicker“ hatte am Donnerstag von einem Interesse der Berliner am 26-Jährigen berichtet und Preetz noch am Mittag bestätigt: „Da ist etwas dran. Das kann ich sagen. Es sind Gespräche gelaufen. Aber wir äußern uns erst richtig darüber, wenn alles unterschrieben ist.“ Das ist nun passiert.

Hegeler ist Herthas erster Zugang für die kommende Spielzeit und unterschreibt einen Drei-Jahresvertrag bis 2017. Über die Transfermodalitäten haben beide Klubs Stillschweigen vereinbart. Hertha wird eine Ablöse von etwas mehr als einer Million Euro an Leverkusen überweisen, wo Hegeler noch einen Vertrag bis 2017 hatte. Mit Hegelers Verpflichtung setzt der Hauptstadtklub weiter auf ein Erfolgsmodell der aktuellen Saison: Spieler zu kaufen, die überschaubare Summen kosten und deren Telefonnummern schon im Notizbuch des Trainers stehen. Im vergangenen Sommer wurden mit Hajime Hosogai, Sebastian Langkamp, Alexander Baumjohann und Johannes van den Bergh gleich vier Profis verpflichtet, mit denen der Niederländer in der Vergangenheit schon bei anderen Klubs zusammengearbeitet hatte.

Hegeler ist nun der nächste Ex-Spieler Luhukays, den der 50-Jährige nach Berlin lotsen konnte. Im Januar 2009 lieh Leverkusen den gebürtigen Kölner zum FC Augsburg aus, wo Hegeler ab April unter Luhukay spielte. In der Saison 2009/10 verpassten beide gemeinsam mit dem FCA den Aufstieg in der Relegation gegen Nürnberg. In diesen anderthalb Jahren wusste Hegeler vor allem durch eine Fähigkeit zu überzeugen, die Luhukay nun erneut für seine Mannschaft sucht: Vielseitigkeit. „Jens ist ein multifunktionaler Spieler, der damals in Augsburg als Innen- und Rechtsverteidiger angefangen hat und dann ins Mittelfeld wechselte“, sagte Luhukay am Donnerstag. In Leverkusen, wo er in dieser Saison 18 Mal zum Einsatz kam (davon zwölf Mal eingewechselt), spielte er zumeist im rechten offensiven Mittelfeld. Wegen eines Syndesmoserisses ist die aktuelle Spielzeit für ihn jedoch schon beendet. „Wichtig ist für uns, dass er auf vielen Positionen spielen und uns besser machen kann“, sagte Luhukay. Er sei sehr froh, Hegeler nach Berlin holen zu können. Der Zugang selbst wurde mit den Worten zitiert: „Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung. Ich wollte unbedingt nach Berlin, weil ich sicher bin, dass Hertha BSC großes Potenzial hat.“

Wie wichtig Vielseitigkeit ist, hat Luhukay auch in der noch aktuellen Saison erlebt: Sie war immer dann die Antwort, wenn wieder einmal einer seiner Profis verletzungsbedingt ersetzt werden musste. Der Wert von Per Skjelbred und Tolga Cigerci maß sich daran, dass sie auf allen Positionen im Mittelfeld einsatzfähig waren. Zudem lässt die Personalie Hegeler erkennen, wie Herthas Vorgehen auch für die kommende Spielzeit bei der Suche nach neuem Personal aussehen wird. „Wir wollen für Hertha eine Etablierung in der Liga mit wirtschaftlicher Vernunft“, sagte Luhukay. Dass aufgrund der 9,7 Millionen Ablöse für Adrian Ramos und dem Geld von Investor KKR nun namhafte und daher teure Spieler kommen, braucht niemand zu hoffen. Zunächst werden die Verantwortlichen weiter die zweiten Reihen der Bundesligisten nach Profis durchkämmen, die verhältnismäßig jung sind und Potenzial haben, aber in ihren Klubs nicht zum Zuge kommen. So war es vor allem auch beim Japaner Hosogai, der Leverkusen im letzten Jahr für eine Millionen Euro in Raten in Richtung Berlin verließ und bei Hertha zum wichtigsten Stabilisator im zentralen Mittelfeld aufstieg. So soll es nun mit Hegeler laufen.

Ihn benötigt Hertha jedoch für die Offensive. Der 1,93 Meter große Blondschopf gilt als kopfballstark und schusskräftig, auch wenn er nie als besonders torgefährlich auffiel (113 Bundesligaspiele/sieben Tore). Hegeler könnte sich seinen Platz im rechten Mittelfeld erkämpfen, denn Sami Allagui wird für den Sturm eingeplant. Zudem verfügt Hegeler über internationale Erfahrung: Für Bayer bestritt er in dieser Saison fünf Champions-League-Spiele. Und die große Welt kennt er schließlich auch schon: 2007 nahm er an den Militärweltspielen in Indien teil – mit der Bundeswehr-Nationalelf.