Hockey

Barbara Vogels langer Weg zur Nummer eins

Hockey-Torhüterin kämpft mit dem BHC um den Meistertitel

Wie stehen denn die Chancen? Barbara Vogel lässt sich nicht aus der Reserve locken. „Mal gucken“, sagt die Torhüterin des Berliner Hockey-Clubs, der an diesem Wochenende bei der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft in Hamburg antritt, seinen Titel zu verteidigen. Nach einigen Abgängen gegen Gastgeber Uhlenhorster HC zu bestehen, wird sehr schwierig. Zumal der BHC sich nur mit Mühe ins Final Four gekämpft hat. „Wir lassen uns überraschen, jedenfalls fahren wir ohne großen Druck.“

Sie wird im Mittelpunkt stehen, nicht zuletzt von ihr wird abhängen, ob die Überraschung gelingt. Im Vorjahr hat die 33-Jährige zugeschaut, wie ihr Team den Titel gewann – Karoline Amm hütete das Tor. Weil der BHC zwei gleichstarke Torfrauen hatte, wurde Vogel in der Halle Meisterin, Amm auf dem Feld. War so abgesprochen. Jetzt ist sie endlich die uneingeschränkte Nummer eins, nicht nur im Klub, sogar im Nationalteam, das Anfang Juni bei der WM in Den Haag um eine Medaille kämpft.

„Darauf konzentriere ich mich total“, blickt die Angestellte einer Sportmarketing-Agentur voraus. Vogel hat viel investiert, 30 statt 40 Stunden in der Woche gearbeitet, um mehr Zeit zum Training zu haben. Im Klartext heißt das: Im Hockey zahlt Frau schon mal drauf, um an einer WM teilzunehmen. Aber das ist es ihr wert. Vielleicht, weil sie so manchen Rückschlag erlebte. Zwar gehörte Vogel fast immer zu den Auswahlkadern, ein richtig großes Turnier allerdings fehlt noch in ihrer Karriere.

Bei der WM vor vier Jahren saß sie als zweite Torhüterin auf der Tribüne. „Das war schon hart“, sagt Vogel. Für Olympia in London wurde sie nicht nominiert, das war noch härter. Ihre Chancen stiegen erst, als Jamilon Mülders im Januar 2013 den Posten des Frauen-Bundestrainers übernahm. Da war sie zwar schon 32, aber das störte den neuen Mann nicht. „Wieso?“, fragt Mülders, „bei Torhütern macht Erfahrung extrem viel aus. Erfahren ist sie. Und Persönlichkeit macht extrem viel aus. Die hat sie.“ Absolut positiv sei die Berlinerin, athletisch fit, „ein Vorbild für alle. Ich glaube, die Nackenschläge haben ihr sogar geholfen. Nur die Nummer zwei oder sogar Nummer drei zu sein, das hat sie in ihrer Entwicklung zu dem gemacht, was sie jetzt ist.“ Seine Nummer eins bei der WM.

Barbara Vogel bleibt dabei vorsichtig, hängt ihre Leistung nicht zu hoch. „Ich habe jetzt mehr Selbstvertrauen in mein Spiel, aber ich glaube nicht, dass sich meine Leistungen extrem verbessert haben.“ Das beurteilt Mülders wohl anders. Bei den World-League-Turnieren 2013 in den Niederlanden und Argentinien hatte sie große Auftritte und bewies ihre Klasse. Die braucht der BHC jetzt auch.