Schwimmen

Biedermann probt in Berlin für das nächste Gold

Deutsche Meisterschaft nur ein Testlauf für die EM im August

Sprach man früher Paul Biedermann auf Rivale Michael Phelps an, funkelten seine Augen verräterisch. Auf das jüngste Comeback des Rekord-Olympiasiegers reagiert das deutsche Schwimm-Ass aber seltsam leidenschaftslos. „Ich freue mich natürlich über seine Rückkehr ins Becken, aber ich habe derzeit genug mit mir selber zu tun“, sagte Biedermann, 27: „Ich muss erst mal für mich ein paar gute Zeiten schwimmen, dann kann ich auch wieder an die Konkurrenz denken.“

Die Deutschen Meisterschaften in Berlin (bis Sonntag, Finals jeweils 15.30 Uhr) sind für Biedermann der erste wichtige Wettkampf seit mehr als 16 Monaten. Am Freitag kraulte er in der Halle an der Landsberger Allee über 400 Meter allen davon. 3:47,89 Minuten bedeuten aber nur Platz neun der Weltrangliste, satte vier Sekunden hinter den Besten. Nach dem Rücktritt seiner Freundin Britta Steffen wird Biedermann aber nicht nur sportlich als „Leitwolf“ gebraucht, wie Bundestrainer Henning Lambertz betonte. „Ein Leitwolf? Nein!“, sagt Biedermann selbst: „Ich muss erst wieder meinen Platz finden, da kann ich mich momentan noch nicht einbringen.“

Biedermann wird auch noch über 100 und 200 Meter Freistil starten, um sich Tickets für die Heim-EM im Sommer (13. bis 24. August) an selber Stelle zu sichern. Berlin ist Teil eins der EM-Qualifikation, aber auch bei einem Überprüfungswettkampf in elf Wochen in Essen müssen Biedermann und Co. nun noch einmal festgelegte Normzeiten und Plätze erreichen. Diese neue Form der Qualifikation für den Saisonhöhepunkt, die Bundestrainer Lambertz als eine Folge der enttäuschenden WM in Barcelona (nur eine Silbermedaille durch Brustschwimmer Marco Koch) durchgesetzt hat, stößt bei Biedermann nicht auf viel Gegenliebe. „Ich nehme das jetzt an. Aber man muss erst sehen, ob diese Lösung passt“, sagte der Doppel-Weltmeister von 2009.

Neue Normen nicht willkommen

Lambertz erhofft sich durch die zweigeteilte Qualifikation, den fast schon traditionellen Leistungsabfall deutscher Schwimmer bei Saisonhöhepunkten stoppen zu können. „Wer weniger Zeit zwischen den Terminen hat, macht auch weniger Fehler“, erklärte der Bundestrainer. Außerdem hatte Lambertz als Konsequenz „härteres Training“ angekündigt. Auf die Trainingspläne Biedermanns konnte er aber keinen Einfluss nehmen. „Ich trainiere nach meinem Fahrplan, und genauso wird das auch bleiben“, betonte Biedermann. Von Motivationsproblemen nach dem medaillenlosen Olympia-Auftritt in London will er nichts mehr wissen: „Das Thema habe ich bereits am Silvesterabend 2012 abgeschlossen.“