Handball

Wilde Feier mit Wischmob

Bei den Füchse-Frauen bleibt trotz Aufstiegs in die Bundesliga alles eine Nummer kleiner als bei den Männern

Lars Melzer versuchte noch, sich unter einem Handtuch zu verstecken, doch es half nicht. Auch der Trainer der Füchse-Frauen konnte sich nach dem 31:24-Erfolg am Donnerstag gegen den TV Nellingen und dem damit verbundenen Aufstieg in die erste Liga der Sektdusche nicht entziehen. Zwei Spieltage vor Saisonende sind die Füchsinnen nun nicht mehr von einem der drei Aufstiegsplätze zu verdrängen. Zum Dank wurde das Team von Bob Hanning, dem Manager der Männermannschaft, zum Essen eingeladen. „Ein Traum wird wahr“, jubelte Spreefüxxe-Managerin Britta Lorenz, ebenfalls klatschnass vom Schaumwein. Berlin ist damit neben Göppingen die zweite Stadt, die sowohl bei Männern als auch Frauen einen Bundesligisten stellt. Zuletzt war in der Hauptstadt zwischen 1997 und 1999 und dann noch einmal 2001/02 erstklassig gespielt worden. Der SV BVG 49 stieg jedoch als Letzter sofort wieder ab.

Damit die Füchse-Frauen dieses Schicksal nicht ebenfalls ereilt, wurde hinter den Kulissen längst mit den Vorbereitungen auf die kommende Spielzeit begonnen. Bereits nächste Woche will der Klub erste Personalien bekanntgeben. Vier Neuzugänge stehen laut Lorenz fest, darunter Spielerinnen mit Erfahrung im Oberhaus. Auch der Name Frida Tegstedt wurde gehandelt, die schwedische Nationalspielerin ist die Freundin von Füchse-Profi Jesper Nielsen. Derartige Verstärkungen sind auch nötig, da die zweite Reihe der Spreefüxxe ihre Erstligatauglichkeit erst noch beweisen muss.

Fest steht, dass Christine Beier weiter für die Füchse auflaufen wird. Die Nationalspielerin war im vergangenen Sommer nach der Insolvenz des Frankfurter HC nach Berlin gewechselt und hatte dort die Rolle der Anführerin übernommen. Allein wegen ihr schien ein Aufstieg für die Spreefüxxe Formsache zu sein, zumal im Dezember mit Natalie Augsburg eine weitere deutsche Nationalspielerin den Klub verstärkte.

Nur 382 Zuschauer pro Spiel

Doch dann verloren die Berlinerinnen im Januar drei von vier Spielen, der langjährige Coach Dietmar Rösicke trat zurück. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ernsthaft Zweifel, ob wir es schaffen würden“, erzählt Britta Lorenz. Erst unter dem neuen Trainer Lars Melzer kehrte die Mannschaft in die Erfolgsspur zurück. Zwölf von vierzehn Spielen wurden seitdem gewonnen, auch heute soll gegen die SGH Rosengarten-Buchholz (19.30 Uhr) ein Sieg her. „Wir haben zum richtigen Zeitpunkt Gas gegeben“, meint Christine Beier. In den verbleibenden beiden Spielen will sich das Team jetzt noch den Meistertitel sichern. „Ich hoffe, dass wir nicht das Bayern-Syndrom zeigen und die Luft nach dem Aufstieg raus ist“, sagt Natalie Augsburg. Auch sie wird den Spreefüxxen in der nächsten Saison erhalten bleiben. Außerdem werde sie versuchen, „auch alle meine Freundinnen, die gut Handball spielen können, für Berlin zu begeistern“, damit das Team noch stärker wird.

Doch nicht nur am Kader wird gebastelt – auch die Rahmenbedingungen sollen sich ändern, damit die Füchse-Frauen in der Bundesliga bestehen können. „Wir müssen weg vom Feierabendsport“, verlangt Trainer Melzer. Bislang müssen die meisten Spielerinnen 30 bis 40 Stunden in der Woche arbeiten, andere studieren Vollzeit. Trainiert werden kann deshalb nur abends. Melzer fordert für die Zukunft mehr Trainingszeiten und mehr Regeneration für seine Spielerinnen. Damit sie beruflich kürzertreten können, braucht es aber höhere Gehälter und Sponsoren, die diese bezahlen wollen. Bislang stehen die Geldgeber nicht gerade Schlange, doch Managerin Lorenz hofft, dass durch den Aufstieg ein größeres Interesse entsteht. „Als Erstligist ist es immer leichter, Werbung zu machen“, sagt sie.

Auch die Ränge in der altehrwürdigen Charlottenburger Sömmeringhalle sollen in Zukunft wieder besser gefüllt sein als zuletzt. „Die Zuschauer müssen jetzt anbeißen“, so Lorenz. Bislang belegen die Spreefüxxe mit einem Schnitt von 382 Zuschauern selbst in der zweiten Liga nur einen Platz im unteren Mittelfeld. Die Stimmung ist familiär, hinter einem Tor ist sogar eine Krabbelecke aufgebaut. Es ist eben alles eine Nummer kleiner bei den Füchse-Frauen. Nach der Aufstiegsfeier am Donnerstag mussten die Spielerinnen selbst zum Wischmob greifen, um das Parkett vom Sekt zu reinigen. Bei den Männern wäre das geradezu undenkbar.