Abschied

Ein Leben für den Sport

Im Alter von 80 Jahren ist der streitbare Berliner Manfred von Richthofen gestorben

Er wirkte zwar nach einem Sturz einige Wochen zuvor gesundheitlich etwas angeschlagen, aber Manfred von Richthofen genoss es sichtlich, im Kreise vieler Weggefährten aus der Politik und vor allem aus dem Sport seinen 80. Geburtstag zu feiern. Er amüsierte sich über den eingespielten Film, der sein Lebenswerk würdigte, in dem er als kämpferischer Redner, aber auch als kleiner Junge gezeigt wurde. Es waren am 9. Februar 2014 für den Jubilar wie für seine Gäste im „Sternberg Theater“ in der Spielbank am Potsdamer Platz schöne Stunden voller anregender Gespräche und Nostalgie.

Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt auch nur ahnen, dass es der letzte größere öffentliche Auftritt von Richthofens sein sollte. Am Donnerstagabend starb der gebürtige Berliner in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt, in das er am Dienstag eingeliefert worden war.

Berlin als Herzensangelegenheit

„Manfred von Richthofen hat sich um den deutschen Sport und damit unser ganzes Land verdient gemacht“, sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). „Er hat sich als Sportpolitiker um die vielfältigen Themen des Sports große Verdienste erworben, besonders für das Thema Breitensport und Sportentwicklung stand er wie kaum ein Zweiter. Er hat für den Sport in seiner gesellschaftspolitischen und sozialen Bedeutung wichtige Weichen gestellt.“

Mit Manfred Freiherr von Richthofen, von vielen auch Sportbaron genannt, verliert der deutsche Sport einen Mann, der mit seinen klaren Worten und entschiedenen Taten sehr viel bewegt hat. Erst in Berlin, dann in Deutschland hat er die Sportpolitik über viele Jahre entscheidend geprägt. Berlin als Sportstadt zu positionieren war ihm vor und nach dem Fall der Mauer eine Herzensangelegenheit. Ohne seinen Einsatz wäre das Finale des DFB-Pokals wohl nicht Mitte der 1980er-Jahre dauerhaft nach Berlin ins Olympiastadion vergeben worden.

„Er war immer auch ein erfolgreicher Botschafter Berlins, auch wenn die von ihm vehement unterstützte Olympia-Bewerbung Berlins für das Jahr 2000 nicht gelungen ist“, schrieb der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in seiner Würdigung. „Berlin trauert um seinen Gentleman des Sports“, sagte Berlins Innen- und Sportsenator Frank Henkel: „Wir werden Manfred von Richthofen als Persönlichkeit von Grandezza und echten Sportsmann in Erinnerung behalten.“ Von Richthofen studierte Sport und Sozialpädagogik und war zwischen 1951 und 1961 aktiver Spieler in der Hockey-Oberliga. Von 1960 bis 1969 war er Sportlehrer am Berliner Canisius-Kolleg und übte verschiedene Trainerfunktionen beim Berliner Hockey-Verband aus.

Damals bei der Geburtstagsfeier fand Wowereit die richtigen Worte: Als „kämpferisch und klare Kante zeigend“ beschrieb er den Jubilar. 1985 wurde er Präsident des Landessportbundes Berlin, von 1994 bis 2006 war von Richthofen Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB). Im Vereinigungsprozess bemühte er sich mehr um Aufklärung in Dopingfragen als die meisten anderen Funktionäre. Er war lange vergeblich Antreiber für eine Fusion des DSB und des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Der Sport in Deutschland, so hatte er immer unterstrichen, müsse mit einer Stimme sprechen. Doch erst 2006 erfüllte sich sein Traum mit der Gründung des DOSB.

Taktieren und paktieren, das gehört zum politischen wie zum sportpolitischen Geschäft. Von Richthofen, der Neffe des gleichnamigen „Roten Barons“, kannte es aus dem Effeff. Ob in Berlin als Direktor beim Landessportbund oder später ehrenamtlich als dessen Präsident und eben als DSB-Chef: Er saß immer in den wirklich wichtigen Kungelrunden. Und sagte einst über sich mit einem milden Lächeln: „Ich bin nicht unbedingt ein angenehmer Präsident.“ Denn von Richthofen hat immer polarisiert. Leisetreten war seine Sache nicht. Manchen hat er während seiner Karriere als Sportfunktionär angerempelt, seine direkte, oft fordernde Sprache hat einige verschreckt. Doch dem Sport verschaffte er damit in der Politik wieder Gehör.

Wert auf Unabhängigkeit gelegt

Für den Unternehmer von Richthofen, unter anderem Teilhaber an Spielbanken, war es wichtig, unabhängig zu sein und sich von nichts und niemandem vereinnahmen zu lassen. Auch nicht von eigenen Parteifreunden aus der CDU, in der er in Berlin zwischen 1965 bis 1969 sogar stellvertretender Landesvorsitzender war. Letztlich lag ihm aber die politische Seite des Sports mehr am Herzen. Seinen Antrieb hierfür beschrieb er damals so: „Mich motivierten die ständigen Versuche der DDR und der Sowjetunion, den Berliner Landessportbund aus dem Deutschen Sportbund auszuklammern.“

Bis zuletzt war er nah dran am Sport. Seit 2007 begleitete er beispielsweise das Projekt Füchse Berlin und war Gründungsmitglied des Aufsichtsrats der Berliner Handballer. Beim Heimspiel am Sonntag gegen Nettelstedt in der Schmeling-Halle werden die Füchse im Gedenken an Manfred von Richthofen Trauerflor tragen und eine Gedenkminute abhalten.