Fußball

Debakel für Guardiola

FC Bayern kassiert historische Pleite im Halbfinale der Königsklasse Superstar Ronaldo und Sergio Ramos erzielen vier Tore für Real Madrid

Aus der Traum! Bayern München ist auf dem Weg zur historischen Triple-Verteidigung krachend gescheitert. Der rat- und chancenlose Titelträger unterlag Real Madrid vor den Augen des desillusionierten Uli Hoeneß im Halbfinal-Rückspiel der Champions League 0:4 (0:3). Für die Bayern bedeutete dies die höchste Heimpleite in ihrer 48-jährigen Europapokal-Geschichte (bisher viermal 0:2). Bayern-Kapitän Philip Lahm sagte: „Es geht nicht, dass wir durch zwei Standards 0:2 in Rückstand geraten. Das ist enorm bitter. Dann haben wir das Spiel zu offen gestaltet – und Real hat das mit seinen schnellen Konterspielern bestraft. Wir alle sind sehr enttäuscht.“

Statt der von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Hinspiel (0:1) versprochenen „Hölle“ für Real mussten die Münchner durchs Fegefeuer.

Real im Endspiel in Lissabon

Im Endspiel am 24. Mai in Lissabon ist Real um Weltfußballer Cristiano Ronaldo Favorit. Den Gegner der Königlichen ermitteln der FC Chelsea oder Stadtrivale Atlético Madrid am heutigen Mittwoch (20.45 Uhr/ Hinspiel 0:0). Damit hat Real Madrid im Finale die Chance die Champions League als erster Verein drei Mal zu gewinnen.

Sergio Ramos bestrafte die schlafmützige Bayern-Defensive früh mit zwei Kopfball-Treffern nach Standardsituationen (16./ 20. Minute). Ronaldo schraubte sein Tore-Konto bei einem Konter auf den Rekordwert 15 (34.), ehe er in der 90. Minute per Freistoß zum Endstand traf. Damit stellte der Portugiese den ersten Sieg Reals im zehnten Spiel bei den Bayern (acht Niederlagen) sicher. Madrid präsentierte sich als homogene Mannschaft ohne eine einzige Schwäche, defensiv unerschütterlich und offensiv eiskalt – so wie eigentlich die Bayern hätten spielen wollen.

Im Endspiel in Lissabon wird „Bundesliga-Schreck“ Madrid, das zuvor den FC Schalke und Borussia Dortmund ausgeschaltet hatte, Mittelfeldspieler Xabi Alonso nach der dritten Gelben Karte fehlen.

Zumindest die Bayern-Fans gaben zunächst alles, um die angekündigte „Hölle“ Wirklichkeit werden zu lassen. Die Anhänger des deutschen Meisters unter den 68.000 Zuschauern besangen ihre „Europapokal-Sieger“ und kurz vor Spielbeginn ertönte „Highway to hell“. In der imposanten, die komplette Arena ausfüllenden Choreographie machte die Südkurve ihre Mannschaft mit einem überdimensionalen Henkelpott noch einmal darauf aufmerksam, worum es hier ging – doch der Cup, das war bald klar, ist verloren. Das Triple, das Jupp Heynckes in der vergangenen Saison erstmals nach München geholt hatte, bleibt für dessen Nachfolger Pep Guardiola erst einmal Utopie.

Der Spanier beharrte gegen seine aggressiveren und selbstbewussteren Landsleute wie im Hinspiel auf seinem System der Ballkontrolle, wählte aber mit Thomas Müller anstelle von Rafinha eine offensivere Ausrichtung. Dennoch kamen die zögerlichen und bisweilen ratlosen Bayern kaum in den gegnerischen Strafraum – und mussten bald teuer für ihre nachlässige Defensivarbeit bezahlen. Ramos, von Dante allein gelassen, nutzte schon die erste Ecke des erneut überragenden Luka Modric zur Führung. Nach einem Freistoß von Angel di María verlängerte kurz darauf Pepe per Kopf erneut auf Ramos, der wieder ungehindert einköpfte.

Ramos feierte ausgelassen, war er mit einem verschossenen Elfmeter im Halbfinal-Duell 2012 doch noch die tragische Figur. Beim 0:3 leistete der schnelle Gareth Bale die Vorarbeit für Ronaldo. Der Portugiese übertraf damit den Torrekord in der Königsklasse von Lionel Messi und José Altafini (je 14 Treffer). Die nun immer hilfloseren Bayern hatten in der gesamten ersten Hälfte lediglich eine Torgelegenheit durch Franck Ribéry (25.). Der französische Nationalspieler, der wie sein Flügel-Partner Arjen Robben keine nennenswerten Akzente setzten konnte, hätte nach einer Ohrfeige gegen Daniel Carvajal kurz vor der Pause die Rote Karte sehen müssen.

Auch in der zweiten Halbzeit gewann Real die entscheidenden Zweikämpfe.

Rummengigge fehlt Leidenschaft

Nach einem Fußball-Wunder sah es trotz der tapferen Bemühungen der Bayern nie aus, die sich am Ende Pfiffe ihrer eigenen Fans anhören mussten. Manuel Neuer hatte zuvor (65.) gegen Fábio Coentrão einen höheren Rückstand verhindert. In der Schlussminute düpierte Ronaldo den FC Bayern. Statt des erwarteten Gewaltschusses schob der Superstar aus Portugal einen 20-m-Freistoß flach unter der hochspringenden Münchener Mauer ins Tor – 0:4.

Bayern-Torwart Manuel Neuer analysierte: „Entscheidend sind die Tore. Wir haben in beiden Spielen keine Tore gemacht. Deshalb sind wir nicht im Endspiel.“ Bayerns Vorstandschef Karlheinz Rummenigge sagte: „Wir haben eine ziemliche Packung bekommen, der Gegner hat uns klar beherrscht. Mir hat ein bisschen die Leidenschaft gefehlt. Wir müssen jetzt trotzdem die Nerven behalten. Mit Pep Guardiola werde ich gar nichts besprechen. Er hat die Kompetenz, die ist bei ihm gut aufgehoben.“

Sportvorstand Matthias Sammer sagte: „Wir sind traurig. Nach dem 0:2 waren wir nahezu chancenlos. Wir sind an einer großen Mannschaft gescheitert. Real ist in einer phantastischen Form.“