Personalien

„Ich habe Uwe Neuhaus viel zu verdanken“

Kapitän Mattuschka über das Ende der Zweckgemeinschaft mit dem Union-Trainer

„Können wir uns hier hinsetzen?“, fragt Torsten Mattuschka und deutet auf die Couch in der Haupttribüne des Stadions an der Alten Försterei. Sicher, die Partie am Montagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern (1:1) hat ohne Zweifel Kraft gekostet. Nach dem Auslaufen am Dienstagmorgen ist die Erschöpfung beim Kapitän des 1. FC Union immer noch sichtbar.

Aber auch die Ereignisse der vergangenen Tage sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Die Ankündigung, der Fußball-Zweitligist werde sich nach Saisonende von Trainer Uwe Neuhaus trennen, wirkt auch einige Tage später noch nach. Und das offenbar nicht wenig.

So sitzt Mattuschka, sonst nie um einen lockeren Spruch verlegen, also eher nachdenklich auf dem roten Mobiliar. Oft blickt er ins Leere. „Da musste ich auch erst mal ein bisschen überlegen und das verarbeiten. Aber der Verein hat sich dazu entschlossen, etwas Neues auszuprobieren. Jetzt werden wir sehen, was mit einem neuen Trainer passiert“, sagt Mattuschka. „Das birgt natürlich auch Risiken, das ist dem Verein auch bewusst. Wir sind für alles offen.“

Torwart Haas bleibt bis 2016

Daniel Haas schlägt in die gleiche Kerbe. Nach sieben Jahren guter Arbeit habe sich Neuhaus die Ovationen der Fans verdient, sagt der Torwart, der seinen Vertrag am Dienstag um zwei Jahre bis 2016 verlängerte. Der 30-Jährige sieht die Trainerpersonalie indes nüchterner als sein drei Jahre älterer Kapitän. Kein Wunder, erlebte Haas ja nur zwei Spielzeiten unter Neuhaus, Mattuschka hingegen alle sieben. Dass Trainer kommen und gehen, „gehört zum Fußballleben dazu“, sagt Haas: „Und der Präsident hat ja deutlich gemacht, dass man vielleicht ein bisschen umstrukturiert. Ich denke, das wird eine interessante und aufregende Zeit. Da freuen wir uns alle drauf.“

Sieht Mattuschka genau so. „Da habe ich auch Bock drauf. Nicht weil Uwe Neuhaus weg ist. Auch bei ihm musste ich mich neu beweisen, wie jeder andere auch. Ich hätte mich aber auch gefreut, wenn der Trainer da geblieben wäre. Jetzt geht eine Ära zu Ende.“ Ein Ende mit Ansage, wie der Kapitän berichtet: „Man hat ja auch mitbekommen, dass irgendwas passieren wird im Verein. Ich glaube auch nicht, dass die Entscheidung von heute auf morgen passiert ist, sondern dass man sich damit schon länger beschäftigt hat.“ Die sportliche Talfahrt der vergangenen Wochen mit nur zwei Siegen in den 13 Spielen des Jahres 2014 tat ihr Übriges. An der Reaktion der Fans habe man jedoch gesehen, „dass Neuhaus viel geleistet hat für den Verein und dass dies auch honoriert wird. Wie ich finde, zu Recht. Er hat es mehr als verdient. Ich glaube, es war für ihn auch schön, das zu spüren“, sagt Mattuschka.

Tatsächlich feierten die Fans auf der obligatorischen Ehrenrunde nach dem Kaiserslautern-Spiel vor allem den Trainer mit lauten Sprechchören. Der wiederum feierte die Fans, wie er selbst sagte, in dem er La Ola anstimmte. Die Mannschaft hielt sich mit eher artigem Applaus im Hintergrund. „Die sieben Jahre stehen wie eine Eins, die kann man nicht so einfach wegwischen“, sagte der Umjubelte. Und Mattuschka ist sich sicher: „Im letzten Heimspiel wird das bestimmt noch emotionaler.“

An jenem 11. Mai endet gegen 1860 München dann auch die Zweckgemeinschaft, von der sowohl Uwe Neuhaus als auch Mattuschka profitiert haben. Beide wussten stets, was sie am anderen haben. „Ich habe Uwe Neuhaus viel zu verdanken. Er hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Es waren tolle sieben Jahre“, sagt der Union-Kapitän. Wieder geht der Blick zu Boden.

Anders als in den Jahren zuvor, in denen immer davon geredet wurde, dass es in der Vorbereitung bei Null losgehe, werden die Uhren bei den Köpenickern nun tatsächlich neu gestartet. Wie der neue Trainer sein soll? Mattuschka hat nur eine vage Vorstellung: „Wichtig ist, dass er positiv bekloppt ist, wie unsere Fans. Er muss sich darauf einstellen können, was hier so abgeht. Es ist schon ein spezielles Umfeld, mit der Nähe zu den Fans. Das ist schon etwas Einmaliges.“