Gewalt

Rostocker Fans attackieren Polizei mit WC-Schüsseln

Der Verein muss mit hohen Strafen vom DFB rechnen

Auf dem Rasen hat Hansa Rostock das Duell der Gegensätze gegen RB Leipzig mit Anstand verloren, doch für seine Problemfans auf den Rängen musste sich der Traditionsklub wieder einmal schämen. Während der Halbzeitpause des brisanten Drittligaspiels (0:1) hatten zum Teil vermummte Personen in großer Anzahl die Südtribüne der Arena verlassen und Ausschreitungen förmlich gesucht. Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, hat die erneuten Ausschreitungen scharf kritisiert und ernsthafte Konsequenzen gefordert: „Die Fußballchaoten, die blindwütig und vorsätzlich die Gästefans mit Farbeiern und Steinen bewarfen und anschließend massiv Angriffe auf Polizeibeamte verübten, haben nicht nur sich erneut ins Abseits gestellt, sondern auch dem Verein und der Stadt einen großen Imageschaden zugefügt.“

30 verletzte Beamte

Zuerst warfen die Hooligans Farbbeutel und Gegenstände in den Bereich der Gästefans, dann zertrümmerten sie WC-Anlagen. Mit den Einzelteilen der Sanitär-Einrichtungen wurden Polizisten beworfen, auch Flaschen und Steine flogen. Erst mit einem Großaufgebot der Polizei konnten die laut Polizeiangaben „hochaggressiven Anhänger des FC Hansa Rostock“ zurückgedrängt werden. Mehrere Personen, darunter 30 Beamte, wurden „zum Teil erheblich verletzt“, teilte die Polizei mit. „Es ist eine Grenze überschritten und ich bin nicht bereit, das zu tolerieren“, sagte der für Sport zuständige Innenminister: „Die Südtribüne wieder zu schließen oder die ein oder andere Begegnung als Geisterspiel durchführen zu lassen, halte ich hier als letztes Mittel nicht für ausgeschlossen.“

Der Verein muss als Wiederholungstäter eine drastische Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) befürchten. Erst kürzlich war Hansa wegen mehrerer Verstöße seiner Fans zu einer 20.000-Euro-Geldstrafe, einem Teilausschluss der Fans auf Bewährung sowie Auflagen wie der Installierung eines Fangnetzes vor der Südtribüne verurteilt worden. Dagegen hatten die Mecklenburger Berufung eingelegt.

Nach den neuerlichen Krawallen distanzierte sich die Klubführung von seinen Problemfans, „die die präventive Arbeit des Vereins durch solche schwachsinnigen Aktionen konterkarieren und den Ruf des Vereins in den Dreck ziehen“, sagte Rainer Friedrich, Vorstand Stadionmanagement und Prävention. Vorstandschef Michael Dahlmann versicherte, man werde mit der Polizei gemeinsam alles unternehmen, um die Straftäter zu identifizieren und künftig von Fußballspielen auszuschließen. Doch das hatte der letzte DDR-Oberliga-Meister auch in vielen Stellungnahmen zuvor immer wieder hervorgehoben.