1. FC Union

Nur noch ein Duo auf Zeit

Union-Präsident Zingler will nach Entlassung von Neuhaus die Vereinsstrukturen bewahren

Wenn Uwe Neuhaus am Montagabend vor Anpfiff der Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern (20.15 Uhr/Sport1) die Treppe aus den Katakomben des Stadions an der Alten Försterei hochgeht, wird alles so sein wie immer. Der Stadionsprecher nennt am Ende der Mannschaftsaufstellung auch den Namen des Trainers. Die Fans antworten von den Stehplatztribünen mit „Fußballgott“. Neuhaus wird neben Co-Trainer André Hofschneider Platz nehmen. Und doch wissen alle, dass diese scheinbare Normalität nur noch für drei Spiele gilt. Dann wird Uwe Neuhaus Coach des 1. FC Union gewesen sein. Weil der Klub einen „emotionalen Neustart“ braucht, wie Präsident Dirk Zingler sagte. Einen weiteren Umbau der Vereinsstrukturen über die Position des Cheftrainers hinaus schließt er aber kategorisch aus.

Der Präsident befindet sich momentan in einer Art Rechtfertigungsmodus. Er muss begründen, warum Union sich jetzt nach sieben Jahren von Uwe Neuhaus trennt. Vor allem der Zeitpunkt überraschte. Im Interview beim RBB sagte er dazu: „Eine Grundvoraussetzung für solch eine Entscheidung für uns ist, gerade nach sieben Jahren, dass man grundehrlich miteinander umgeht. Ich möchte nicht drei, vier Wochen neben ihm her laufen und nicht aufrichtig zu ihm sein. Deshalb war uns klar, dass wir ihn nach unserer Entscheidung sofort informieren.“ Einen Zusammenhang mit der sportlich enttäuschenden Rückrunde weist er aber von sich: „Letzten Endes kommt es für uns darauf an, dass das Maximum aus unseren Möglichkeiten erzielt wird. So sind wir zu der Entscheidung gekommen, dass wir einen mentalen und emotionalen Neustart brauchen – in der Profi-Abteilung und im ganzen Verein.“

Absage an einen Sportdirektor

Es ist vor allem das letzte Wort, das aufhorchen lässt. Doch wer denkt, dass Union die Strukturen im Verein nun neu ordnet, sieht sich getäuscht. Es geht mehr um den chirurgischen Eingriff an der Position des Cheftrainers, von dem sich die Vereinsführung eine neue Aufbruchsstimmung erhofft, die sich auf das Klima bei den Mitarbeitern auswirken und auch auf die Fans abstrahlen soll.

Es ist ein Neustart, den Zingler ausruft und kein Neuaufbau. „Nein, einen Sportdirektor wird es nicht geben“, sagte der Präsident eindeutig. Ein von außen immer wieder mal ins Spiel gebrachter Manager als Vorgesetzter des Trainers ist kein Thema. So agieren die meisten Profivereine in Deutschland und sorgen damit angesichts des branchenüblichen Verschleißes an Übungsleitern für Kontinuität im sportlichen Bereich. Union beansprucht hier für sich einen Sonderweg. Das ehrenamtliche dreiköpfige Präsidium um Zingler entscheidet über die Wünsche des Trainers.

„Unsere Strukturen sind über die Jahre sehr erfolgreich gewesen. Ich glaube, dass die auch zu uns passen. Wir denken, dass das ausreichend ist und wir nicht noch eine zusätzliche Meinung brauchen. Mir kommt es darauf an, dass die Entscheidungen von mehreren Menschen getroffen werden“, begründet Zingler das Beharren auf der bisherigen Organisation. So muss beispielsweise vor der Verpflichtung eines neuen Spielers nicht nur der Trainer sein Statement beim Präsidium abgeben. Zum Finanzrahmen werden auch Manager Nico Schäfer und Geschäftsführer Oskar Kosche gehört. Selbst vom Pressesprecher Christian Arbeit wird eine Aussage erwartet. Diese außergewöhnliche Art der Vereinsführung steht und fällt mit dem immensen zeitlichen Aufwand, den der ehrenamtlich agierende Dirk Zingler investieren kann.

Nachfolger muss zum Klub passen

Die wird er nun auch benötigen, um einen neuen Trainer zu finden. Die Gespräche mit potenziellen Nachfolgern von Uwe Neuhaus sollen unmittelbar beginnen. Konkrete Vorstellungen hat Zingler bereits: „Es muss ein Trainer sein, der gut zu uns passt, der auch den Geruch des Vereins gut aufnehmen kann. Aus zur Verfügung stehenden Mitteln das Maximum herauszuholen. Das geht nur mit gewisser Mentalität, wenn man die Menschen mit auf den Weg nimmt.“ Vielleicht ist es das, was dem überaus ehrgeizigen Uwe Neuhaus zuletzt nicht immer glückte. Befürchtungen von Anhängern, dass der Coach dem Ziel Aufstieg geopfert wird, verneint Zingler dagegen vehement: „Wir wollen nicht das Tempo erhöhen. Ich werde keinen Trainer holen, der mit aller Macht in die Bundesliga möchte“, sagte Zingler.

Der Präsident hat eine Managemententscheidung hinter sich und noch eine zu treffen. Dazwischen muss der Mensch Dirk Zingler seinen Mitarbeiter Uwe Neuhaus verabschieden, zu dem er in all den Jahren eine Beziehung aufgebaut hat, weshalb er auch sagt: „Ich glaube nicht, dass Neuhaus eine Lame Duck ist. Und wenn es so wäre, ist es fast egal. Nicht weil ich die neun Punkte aus den letzten drei Spielen wegschenken will. Sondern weil mir die Möglichkeit des richtigen Abschiedes wichtiger ist. Das macht der Respekt und Anstand notwendig.“ Deshalb wird die Partie gegen Kaiserslautern das erste von drei absolut nicht normalen Spielen des 1. FC Union.