Fußball

Bereit für die Schlacht von München

Ronaldo erzielt für Real Madrid zwei Tore vor dem Champions-League-Duell gegen Bayern

Nach 60 Minuten hatte der Kanonier seine Schuldigkeit getan. In der Stunde zuvor war das Estadio Santiago Bernabéu in Madrid wieder einmal zur Bühne der großen Show des Cristiano Ronaldo geworden. Zwei sehenswerte Treffer schickte der Weltfußballer beim 4:0 (1:0)-Pflichtsieg gegen CA Osasuna wie ernste Drohungen in Richtung des Champions-League-Gegners Bayern München: Seht her und zittert vor mir, ich bin wieder fit.

Am Dienstag (20.45 Uhr/Sky und ZDF) geht es für Real und seinen Superstar um den Einzug in das Finale und den Traum von der „Decima“, dem zehnten Titel im Landesmeister-Wettbewerb. „Wir haben unsere Waffen, sind in guter Form und haben Selbstbewusstsein“, sagte der Offensivspieler mit bewährt breiter Brust. Die Oberschenkel- und Knieprobleme der vergangenen Wochen scheinen komplett vergessen.

13 Tore erzielte der 29-Jährige in den letzten elf Partien, nur im Hinspiel gegen die Bayern blieb er dabei torlos. Das wird im Rückspiel am Dienstag nicht passieren – zumindest nach Glauben der Real-treuen Presse. „Die Kanone ist bereit für die Schlacht von München“, schrieb die „AS“ martialisch, Ronaldo hätte „Bayern und die Ärzte gleichermaßen beeindruckt“. Auch „Marca“ leitete die „Schlacht von München“ mit Kriegs-Metaphorik ein: „Wie eine Rakete“, titelte die Tageszeitung, verglich den portugiesischen Superstar allerdings auch mit einem Künstler: „Er malte auf dem Rasen mit einer schönen und präzisen Pinselführung. Am Dienstag soll eine Ausstellung in München folgen.“

Gegen den Sparringspartner aus Pamplona war es in erster Linie Ronaldos rechter Fuß, der den Unterschied ausmachte. Ein Spannstoß, der sich nach einer physikalisch unglaubwürdigen Flugbahn hinter dem bedauernswerten Osasuna-Keeper Andrés Fernández ins Tor senkte (6.), und ein satter Schuss in den Winkel (52.) sorgten für die ersten beiden Treffer, es waren seine Saisontore Nummer 29 und 30.

Unmittelbar nach dem 3:0 durch Sergio Ramos (59.) war dann Schluss für Ronaldo. Den Schlusspunkt setzte der ehemalige Leverkusener Daniel Carvajal (83.). Damit hielt Real Anschluss an den Tabellenführer und Stadtrivalen Atlético Madrid und schaffte es gleichzeitig auch noch, einige Stammkräfte zu schonen. Der angeschlagene Gareth Bale, Fábio Coentrão, Pepe und Karim Benzema durften komplett aussetzen, Xabi Alonso wurde erst in der Schlussphase eingewechselt. So blieb in der Manege mehr Platz für Cristiano Ronaldo.

Dass Real auswärts auf dessen gute Form vertrauen muss, zeigte das Rückspiel im Viertelfinale gegen Dortmund. Ronaldo war angeschlagen und saß wegen Knieproblemen auf der Bank. Die Partie ging 0:2 verloren, Dortmund war nah am 3:0 und hätte damit fast die 0:3-Niederlage aus dem Hinspiel wettgemacht. Ohne Ronaldo brauchten die Spanier eine Menge Glück, um in das Halbfinale gegen die Bayern einzuziehen. Die Münchner wiederum zeigten gegen Bremen ebenfalls ihre Durchschlagskraft in der Offensive. Beim 5:2 unterliefen den Bayern defensiv aber auch Fehler, die gegen Real nicht passieren dürfen.

Seinen Wert für die Welt bekam Ronaldo übrigens schon vor dem vorerst wichtigsten Spiel der Saison schriftlich. Ende der Woche wurde er vom renommierten Time-Magazine zu einer der 100 einflussreichsten Personen der Welt gewählt. Bei einer Wahl unter Real-Spielern könnte man getrost zwei Nullen streichen.