Prozess

Der Teufel liegt im Detail

„Ich gehöre nicht in die vierte Liga“: Urteil im Prozess von Maik Franz gegen Hertha vertagt

Ohne Urteil ging der Kammer-Termin vor dem Arbeitsgericht Berlin in der Angelegenheit Maik Franz gegen Hertha BSC zu Ende. Der Profi des Fußball-Bundesligisten, der seit Anfang Februar bei der U23 in der Regionalliga trainiert, klagt auf seine Rückkehr ins Profi-Training.

Eine halbe Stunde dauerte die Verhandlung unter Leitung von Iris Sanchez Alfonso, der Vorsitzenden Richterin der Kammer 27. Sie entschied, dass am 26. Mai ein Urteil ergehen wird. Es war eine teilweise groteske Vorstellung, die sich im Saal 521 abspielte. Im Kern geht es darum, ob die Klausel gilt, die Franz, 32, in seinem Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Paragraph 2, Absatz A besagt, dass der Profi eine Versetzung in eine zweite Mannschaft akzeptiert, wenn diese mindestens in der Oberliga spielt.

Anwalt Frank Rybak argumentierte, warum es nicht zulässig sei, den Verteidiger in der U23 zu beschäftigen. Das Niveau in Training und Spiel sei nicht vergleichbar mit dem der Bundesliga. Es gäbe keine entsprechende medizinische Betreuung. Zudem müsse die U23 auf verschiedenen Plätzen trainieren. Die Richterin räumte ein, sie habe keine Ahnung von Fußball. Aber die Franz-Seite habe Fotos vorgelegt, auf denen ein zertretener Rasen zu erkennen ist.

Das Niveau der Verhandlung, die vom ebenfalls gegen seine Versetzung zum Nachwuchsteam klagenden Peer Kluge beobachtet wurde, sank weiter. Rybak sagte, er habe nicht herausfinden können, ob Herthas U23 wie die Profis zur Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) gehöre oder zum eingetragenen Verein Hertha. Da war auch Joachim Rain, der Klub-Anwalt überfordert. Er habe nach seinem Urlaub den Schriftsatz der Gegenseite erst auf dem Flug nach Berlin gelesen und wisse das nicht sicher. Diese Frage hätte eine einminütige Internet-Recherche klären können. Die U23 gehört zur KGaA.

Eine Vertragsauflösung wird teuer

Dann wurde gefeilscht, wie viele Wochen der Hertha-Anwalt benötigt, um einen Schriftsatz zu den Arbeitsbedingungen der U23 zu erstellen. Es ging um die Abwesenheit der Richterin von „vielen, vielen Wochen“. Hertha-Anwalt Rain verwies auf Termine im Ausland, er brauche mindestens drei Wochen.

Als Richterin Sanchez Alfonso erklärte, unter diesen Bedingungen könne sie erst Ende Juli ein Urteil sprechen, meldete sich Maik Franz zu Wort: „Es ist offensichtlich, was bezweckt wird: Wir sollen bewegt werden, das zu machen, was der Verein will - den Vertrag aufzulösen. Aber Hertha ist mein Verein, ich fühle mich wohl in Berlin. Ich will dahin, wo ich hin gehöre: In die Profimannschaft. Ich gehöre nicht in die vierte Liga.“

Sein Vertrag läuft bis Juni 2015. Nun ist Franz kein Phantast. Er weiß, dass er unter Hertha-Trainer Jos Luhukay keine Rolle mehr spielt. In dieser Saison nicht und auch in der nächsten nicht. Seine Absicht ist es, volle Arbeitsbereitschaft zu signalisieren. Die Lesart „Wenn der Arbeitgeber mich nicht mehr haben will, wird es teuer, weil ich noch 13 Monate Vertrag habe“ würde Franz nie formulieren. Aber so sind die Gepflogenheiten der Fußball-Branche.

Die Richterin legte eine außergerichtliche Einigung nahe. Dafür müssten sich beide Seiten auf eine vorzeitige Vertragsauflösung verständigen. Das Volumen bei 13 ausstehenden Monatsgehältern wird sich auf eine Summe im hohen sechsstelligen Bereich belaufen.