Champions League

Benzema trifft die Bayern ins Herz

Münchner verlieren durch einen Treffer des Franzosen mit 0:1 gegen Real Madrid und zittern um das Finale der Champions League

Viel Ballbesitz, kein Ertrag: Eiskalt ausgekontert von Superstar Cristiano Ronaldo und Torschütze Karim Benzema hat der FC Bayern auf dem Weg zur historischen Titelverteidigung eine bittere Niederlage kassiert. Trotz deutlicher Dominanz verloren die Münchner im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid am Mittwoch 0:1 (0:1) und stehen damit vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag unter Zugzwang. Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied ist nötig, will der deutsche Meister am 24. Mai in Lissabon zum vierten Mal in fünf Jahren ins Endspiel der Königsklasse einziehen.

Kontertaktik der Königlichen

Benzema erzielte den Treffer des Abends (19. Minute) für die mit einer geschickten Kontertaktik agierenden Königlichen, die damit nach vier verlorenen Halbfinals gegen „La Bestia Negra“ (die schwarzen Bestien) seit 1976 auf ein Weiterkommen hoffen dürfen. Für die Münchner setzt sich dagegen nach den zuletzt durchwachsenen Bundesliga-Auftritten zumindest die Ergebniskrise fort. Vor allem fehlte vor dem Tor die nötige Effizienz.

„Wir waren überlegen. Aber Real ist eine Topmannschaft. Da kann man nicht jeden Angriff verhindern“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Auf das Rückspiel blickt der deutsche Nationalspieler trotz des 0:1 optimistisch: „Noch sind wir nicht raus. Zu Hause ist alles möglich.“

Bayerns Trainer Pep Guardiola zeigte sich keineswegs enttäuscht von seinem Team: „Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend. Aber ich bin sehr stolz. Wir haben viel Charakter bewiesen gegen eine der stärksten Mannschaften der Welt. Was gefehlt hat, war der Abschluss.“

Vor 90.000 Zuschauern im Santiago Bernabeu, darunter auch der spanische König Juan Carlos, waren die Bayern von Beginn an um Dominanz und Spielkontrolle bemüht. Die Münchner ließen den Ball in ihren Reihen zirkulieren, zu hochkarätigen Torchancen kamen sie aber kaum. Anders dagegen die Königlichen aus Madrid: Das erwartete Offensivfeuerwerk blieb zwar aus, stattdessen agierte Real untypisch aus einer dicht gestaffelten Defensive.

Bereits nach 14 Minuten hatte der deutsche Meister, bei dem Mario Mandzukic den Vorzug vor Thomas Müller im Sturm erhalten hatte, 4:0 Ecken herausgeholt, während Real kaum aus der eigenen Hälfte kam. Gefährlich wurde es für den Weltmeister-Torhüter Iker Casillas zwischen den Pfosten der Spanier in der ersten Hälfte aber kaum, mal abgesehen von einem abgeblockten Schuss von Toni Kroos (18.). Kurz vor der Pause setzte noch Lahm den Ball ans Außennetz (40.). Umso bitterer für den Titelverteidiger, dass die Kontertaktik der Gastgeber gleich aufging: Nach einem schnellen Umschalten entwischte Fabio Coentrao Bayerns Verteidiger Jerome Boateng, sein Pass musste Benzema in der Mitte nur noch einschieben, und traf die Bayern mitten ins Herz. Für den Franzosen war es der fünfte Treffer in der laufenden Champions-League-Saison. Und es wäre beinahe noch schlimmer für die Münchner gekommen: Nach einer Flanke von Luka Modric vergab Ronaldo freistehend (26.). Zuvor war der Portugiese mit einem Kopfball gescheitert (20.).

Erst eine Stunde vor dem Anpfiff hatte Reals Coach Carlo Ancelotti, der als Trainer noch nie gegen die Bayern verloren hat, das Rätselraten beendet und Superstar Ronaldo in die Startelf beordert. Dort fehlte dagegen 100-Millionen-Mann Gareth Bale. Beeinträchtigt durch eine Erkältung und Magenbeschwerden saß der Waliser zunächst auf der Bank. Stattdessen kam Angel di Maria über rechts, und der Argentinier hatte bei einer weiteren Unachtsamkeit der Bayern-Hintermannschaft kurz vor der Pause eine Riesenchance, als er aus kurzer Entfernung verzog (41.).

So waren die Bayern mit dem 0:1 zur Pause noch gut bedient – trotz 79:21 Prozent Ballbesitz. Es fehlte der entscheidende Pass. Zudem war Franck Ribéry nur ein Schatten seiner selbst und wurde in der 72. Minute für Mario Götze ausgewechselt.

Götze vergibt die beste Chance

Bis dahin hatte sich nichts am Spielverlauf geändert. Der spanische Pokalsieger hatte weiter die besseren Chancen, vor allem in Person von Ronaldo. Er prüfte Bayerns Schlussmann Neuer zweimal aus spitzem Winkel (47. und 68.), ehe er unter lautstarkem Jubel für Bale Platz machte. In der Schlussphase drängten die Bayern vehement auf den Ausgleich, die eingewechselten Müller (81.) und voll allem Götze (84.) vergaben aber gute Chancen. Letzter hatte die beste Bayern-Gelegenheit des Spiels, als er aus acht Metern an Castillas scheiterte.

Der beste Münchner, Arjen Robben, sagte: „Das 0:1 ist kein gutes Ergebnis. Da wäre viel mehr drin gewesen. Aber wir gehen mit vollem Vertrauen ins Rückspiel.“ Auch Guardiola blieb optimistisch: „Wir werden uns steigern. Ich habe vor dem Rückspiel mehr Hoffnung als vor diesem Hinspiel.“